Chellies Foto- und Geschreibsel-Ecke


♠ ♣ Zwei Mini-Gedichte voller Sehnsucht ♥ ♦

 

Was mir fehlt

Wenn am Ende des Tages die Nacht einbricht,

und die Dunkelheit das Licht erlischt.

 

Wenn meine Hand die deine sucht,

mein Herz voller Sehnsucht deinen Namen ruft.

 

Wenn meine Hände voller Liebe dein Bild festhalten,

meine Gedanken die Erinnerungen an dich auseinander falten.

 

Wenn meine Füße mich nach draußen bringen,

und meine Seufzer die Stille der Nacht durchdringen.

 

Wenn meine Augen erfüllt mit kleinen Tränen,

und meine Lippen sich nach deinen sehnen.

 

Wenn mein Blick nachts zu den Sternen geht,

der Wind durch meine Haare weht.

 

Wenn mich die Sehnsucht nach dir so sehr quält,

dann merke ich, was mir wirklich fehlt:

DU!

 

 

Die Sehnsucht die mich plagt

Wie schwer ist doch der Abschied,

dass wusste ich nicht bevor ich Dich nicht kannte.

 

Seit dem Abschied kann ich nicht mehr richtig schlafen.

Die Nächte sind so lang geworden ohne dich.

 

Die Kalenderblätter wissen nicht zu fallen;

Die Tage werden immer länger, wissen nicht zu enden.

 

Meine Augen sehnen sich nur nach Dir,

warte immer auf deinen Anruf.

 

Immer die Sehnsucht dass Du bald kommst.

Im Moment bist Du nicht bei mir.

 

So weit weg bist Du.

Aber das ist mir egal.

 

Denn einen Tag an dem ich nicht an Dich dachte,

eine Nacht ohne dass meine Augen nicht tränten,

gab es nicht.

 

Die Sehnsucht die mich plagt,

ahnst Du nicht.

 

Diese Sehnsucht ist wegen dir.

Tsukiyomi Ikuto.

 

 

 

 

Regen - "Du perverser nasser Straßenkater" ♥ und ♣ Geburtstagsüberraschung ♠

 

♦ ♥ Regnerische Erinnerungen und ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk ♣ ♠

 

„Amu? Hey Amu, ich rede mit dir!“

„Huh, was?“, fragte Amu und schreckte aus ihren Gedanken.

In der Fensterscheibe vor sich, hinter der es draußen in Strömen regnete, erblickte sie eine dunkle Gestalt hinter sich und als Amu erschrocken herumfuhr, blickte sie direkt in das verstimmte Gesicht von Utau, welche ihre Hände in die Hüften gestemmt hatte und sie mit ihren violetten Augen anfunkelte.

„Mensch, wo warst du denn wieder mit deinen Gedanken? Ich dachte eigentlich, du wolltest mir helfen meinen nächsten Auftritt zu planen. Und jetzt bin ich nur mal kurz aus dem Zimmer gewesen und schon schweifst du in deine eigene Welt ab.“, meckerte die Blonde auch sogleich los.

Amu sah ihre Freundin entschuldigend an und meinte: „Tut mir Leid. Natürlich will ich dir helfen. Und ich hab nur einen Moment aus dem Fenster gesehen. Der Regen hat mich nur an etwas erinnert, das war alles.“

Ihre Augen bekamen bei ihren letzten Worten einen traurigen Ausdruck, der Utau nicht entging und ihre leichte Wut gleich wieder verfliegen ließ, ehe Amu auch schon nachsetzte: „Also jetzt bin ich wieder voll da. Wo waren wir vorher stehen geblieben? Ach ja bei deinem Kostümwechsel zwischen dem zweiten und dritten Lied.“

Voller Eifer machte sich Amu wieder über die Pläne und beschrifteten Notizzettel her, die überall um sie herum auf dem Boden verstreut lagen.

Ein leises Seufzen entwich Utaus Lippen und sie schüttelte leicht den Kopf, ehe sie sich zu der Rosahaarigen auf den Boden sinken ließ.

° Ach Amu, ich weiß genau an was oder besser wen dich der Regen erinnert hat. Und ich weiß, wie sehr du ihn vermisst auch wenn du versuchst es zu verbergen. Ich vermisse ihn doch auch. Aber Ablenkung allein lässt einen auch nicht vergessen, wie lange er schon weg ist. Immerhin sind mittlerweile fast drei Jahre vergangen, seit er weg ist. Und gemeldet hat er sich auch nicht. ° dachte die Blondhaarige und sah zu wie Amu gerade mehrere Bilder und Notizzettel zu einem Stapel zusammenschob und diese in eine Mappe mit der Aufschrift „Kostüme“ steckte.

Dann machte sie sich auch schon eifrig an den Liedtexten zu schaffen, worüber Utau nur lächeln konnte.

° Sie hilft mir wirklich sehr. Dank ihr wird auch das Konzert bestimmt wieder super. Aber ich denke, es wird Zeit ihr auch mal eine kleine Freude zu machen. °, dachte sie und erhob sich wieder.

An Amu gewandt fragte sie: „Du Amu, magst du einen Tee?“

Da sah die Rosahaarige nur kurz zu ihr auf, nickte knapp und vertiefte sich dann wieder in das Zettelchaos.

So verließ das blonde Mädchen mit einem leichten Kopfschütteln den Raum, ging in die Küche und setzte, vergnügt eine Melodie vor sich hin summend, den Teekessel auf.

 

Kaum war Utau weg, sah Amu hingegen wieder von den ganzen Zetteln auf und blickte erneut aus dem Fenster, hinter welchem aus schweren, dunkelgrauen Wolken der Regen herabfiel.

° Regen. Im Regen sind wir uns schon einmal begegnet. Aber warum erinnert mich der Regen immer nur so an dich? °, dachte sie und erinnerte sich an diese eine Begegnung mit ihm damals im Park.

 

♦ Flashback ♦

 

Amu war gerade schnellen Schrittes auf dem Weg durch den Park gewesen, als der graubewölkte Himmel seine Schleusen geöffnet hatte.

So schnell sie konnte, war sie unter den nächsten, größeren Baum geflüchtet, um Schutz vor dem kalten Regen zu finden.

Mit einem leisen Seufzen lehnte sie sich gegen den Stamm und ließ ihren Blick über den verlassen Park schweifen.

° So ein Mist aber auch. Warum musste es ausgerechnet jetzt schon anfangen zu regnen?! Dabei musste ich natürlich ausgerechnet heute meinen Schirm zu Hause vergessen haben. Ach Mensch jetzt muss ich bestimmt ewig warten bis dieser blöde Regen wieder aufhört. °, dachte Amu frustriert und starrte weiter in den Regen, der alles um sie herum zu verschwimmen schien.

Natürlich war sie auch noch die einzige hier im Park, wär außer ihr würde auch sonst bei so einem schlechten Wetter hier draußen rumlaufen.

Da erblickte sie schließlich ein wenig links von ihr die helle Steintreppe, die zu dem kleinen, bewachsenen Pavillon, vor welchem Ikuto nachts im Mondschein schon einmal Violine gespielt hatte, führte.

Es kam ihr so vor als würde sie seine wunderschöne, leicht traurige Melodie wieder hören können und ohne es wirklich zu bemerken sprach sie seinen Namen nicht nur in Gedanken sondern laut aus.

„Ikuto.“

Plötzlich raschelte es über ihr und im nächsten Moment hing Genannter kopfüber vor ihr von einem Ast herunter und mit funkelnden, saphirblauen Augen fragte er neugierig: „Was denn?“

Total erschrocken schrie Amu auf, als er so plötzlich vor ihr erschien, und wich vor ihm zurück, achtete dabei aber nicht auf den vom Regen aufgeweichten und glitschigen Boden unter ihren Füßen, rutschte aus und verlor schließlich das Gleichgewicht.

Mit einem leisen Aufschrei versuchte sie noch irgendwie ihr Gleichgewicht wieder zu finden und ruderte wild mit den Armen, doch es gelang ihr nicht und so kniff sie die Augen zusammen und bereitete sie sich auf eine schmerzhafte Bekanntschaft mit dem kalten, nassen Boden vor.

Doch statt zu fallen spürte sie plötzlich einen warmen, festen Arm der sich sicher um ihren Rücken legte und sie vor dem Fall bewahrte.

Überrascht blickte sie auf und sah direkt in die geheimnisvollen, dunkelblauen Augen von Ikuto, der ihren Blick leicht überrascht erwiderte.

 

♦ Flashback Ende ♦

 

Seufzend schaute Amu weiter den Regentropfen zu, wie sie einer nach dem anderen gegen die Fensterscheibe prasselten und daran herunterliefen.

° Ja, damals hat er mich ziemlich erschreckt, aber er hat mich auch vor dem Sturz bewahrt. Dabei hat er sich hinterher auch gleich beschwert, dass er wegen mir nass geworden wäre. Tja er hätte mich ja nur nicht auffangen müssen, dann wäre er trocken geblieben, aber das hat er natürlich nicht gemacht. Dabei weiß ich, wie sehr er Regen doch nicht leiden kann. Wenn ich nur daran denke wie er damals klitschnass auf meinem Balkon stand. Mein regenscheuer Kater. °, dachte die Rosahaarige mit einem kleinen Lächeln, strich sich eine Strähne ihres mittlerweile schulterblattlangen Haares zurück und erinnerte sich an diese eine regnerische Nacht.

 

♠ Flashback ♠

 

Amu lag am Abend in ihrem Zimmer in einem kuscheligen, hellgelben Schlafanzug auf ihrem Bett und schaute sich in aller Ruhe ein Fotoalbum im warmen Schein ihrer Nachttischlampe an, während draußen das Rauschen des Regens zu hören war.

Schon seit einer knappen Stunde nun schüttete es wie aus Eimern, sodass Amu  ihre Vorhänge vor ihrem Balkon zugezogen hatte, um das triste Wetter auszusperren.

Gerade betrachtete sie ein Bild von dem letzten Strandurlaub mit ihrer Familie vor zwei Monaten auf dem ihre kleine Schwester Ami ihren Vater bis auf den Kopf komplett im Sand vergraben und mit Seegras und Muscheln verziert hatte, als plötzlich ein leises Klopfen zu hören war.

Verwirrt blickte Amu von dem Album auf und richtete ihren Blick auf die Vorhänge.

° Das Klopfen kam nicht von meiner Zimmertür, sondern von der Balkontür. Aber das muss ich mir eingebildet haben. Ich meine, wer sollte denn bei dem Wetter auf meinen Balkon geklettert sein?! °, dachte sie und wollte sich gerade wieder dem nächsten Bild zuwenden, als erneut das Klopfen, diesmal etwas lauter ertönte.

Erneut richtete sie verwirrt ihren Blick auf die Vorhänge.

° Dieses Mal kann ich es mir nicht eingebildet haben, da hat doch tatsachlich jemand geklopft. Aber wer sollte das sein? °, dachte sie leicht nervös, legte das Fotoalbum auf ihren Nachttisch, stand auf und lief langsam zur Balkontür hinüber.

Vorsichtig griff sie nach dem Vorhang, zögerte noch einen Moment, dann zog sie mit einer schnellen Bewegung den Stoff zur Seite.

Im ersten Moment sah sie nur ihre Spiegelung in der Glasscheibe der Balkontür, dann konnte sie draußen einen schwarzen Schatten erkennen.

Erschrocken klammerte sich ihre Hand fester an den Vorhang, während sie den Schatten nicht aus den Augen ließ, der sich nun vor der Scheibe bewegte und sich dem Glas der Tür näherte.

Als der Schatten schließlich in den Schein der Nachttischlampe geriet, zeigte sich, dass es eine Person war, ein Junge in nasser, schwarzer Kleidung mit triefenden, ins Gesicht hängenden, dunkelblauen Haaren und funkelnden, ebenfalls dunkelblauen Augen.

Erschrocken riss Amu die Augen auf und rief: „Ikuto?“

Im nächsten Moment griff sie schon nach der Verriegelung der Balkontür und schob diese auf.

Kalter Wind und Regentropfen kamen ins Zimmer, doch Amu achtete gar nicht darauf, ihr Blick hin an der leicht zitternden, aber grinsenden Gestalt von Ikuto, der sich mit einem Arm lässig an der Wand abstützte und sie musterte.

„Guten Abend, Amu. Hübscher Schlafanzug.“, sagte er in einem leicht spöttischen Ton.

Im ersten Moment verwirrt, sah Amu an sich herunter, blickte dann wieder auf und erkannte den Hohn in seinen Augen.

„Haha sehr witzig.“, meinte Amu, verdrehte die Augen, verschränkte ihre Arme vor der Brust und erwiderte in demselben spöttischen Tonfall wie er vorher: „Hübscher Look. Nennt sich nasser Straßenkater, oder?“

Daraufhin fing er an zu lachen, lehnte sich dann nach vorne ganz nah zu ihrem Gesicht hinunter und fragte mit verführerischer Stimme: „Das war nicht mit Absicht. Scheint dir aber zugefallen mein Aussehen, was?“

Da wurde Amu prompt rot, wich zwei Schritte vor ihm zurück und stotterte verlegen: „Stimmt doch gar nicht, du perverser, nasser Straßenkater. Was willst du bei dem Sauwetter überhaupt hier?“

Ikutos Grinsen wurde breiter.

„Ich war gerade in der Gegend, als dieser Wolkenbruch losging und da dachte ich, bei dir vorbeizuschauen und den Regen hier abzuwarten.“, antwortete er und beobachtete, wie sie, ihre Verlegenheit von eben schon wieder vollkommen vergessend, leicht die Stirn runzelte.

„Verstehe und wie kommst du darauf, dass ich dich hereinlassen würde?“, fragte sie dann, woraufhin er nur eine Augenbraue hob, fies grinste und sagte: „Ganz einfach, du hast mich schon hereingelassen.“

Damit trat er über die Schwelle in ihre Zimmer und ging tropfend auf sie zu.

Erschrocken weiteten sich ihre Augen, dann stemmte sie ihre Hände gegen seine nasse Jacke und rief: „Nein, du kannst doch nicht reinkommen. Was ist wenn plötzlich meine Eltern reinkämen und dich sehen würden?“

Doch noch ehe sie fertig gesprochen hatte, hatte Ikuto sie auch schon in seine Arme gezogen und an seine nasse Kleidung gedrückt.

Ein Schauer durchfuhr sie, als sie seinen eiskalten Körper spürte, doch gleichzeitig befiel sie auch ein angenehmes Kribbeln ausgehend von seinen Händen auf ihrem Rücken.

Überrascht quickte sie auf.

„Ikuto, lass mich los. Du bist eiskalt und klitschnass.“, zeterte sie und versuchte sich aus seiner Umarmung zu befreien, als sie plötzlich seinen warmen Atem an ihrem Hals spüren konnte.

„Aber nur wenn du mich hier den Regen abwarten lässt.“, flüsterte er ihr leise ins Ohr, was ihr erneut ein Kribbeln bescherte, diesmal an ihrem Ohr.

Noch einen Moment versuchte sie sich so aus seiner Umarmung zu befreien, jedoch ohne Erfolg, dann gab sie auf.

„Na gut, dann lass mich aber auch gefälligst los.“, sagte sie schließlich kapitulierend und er ließ sie endlich frei.

Schnell wich sie vor ihm zurück und warf ihm einen bösen Blick zu, den er nur mit einem amüsierten Lächeln erwiderte, dann ging sie zu ihrem Kleiderschrank hinüber und zerrte zwei große Handtücher heraus.

Diese warf sie ihm zu und ging dann an ihm vorbei, um die Balkontür wieder zuzumachen und somit den Regen und die Kälte wieder auszusperren, die sich zwischenzeitlich ins Zimmer geschlichen hatten.

Als sie sich umdrehte, hatte Ikuto sich aus seiner nassen Jacke und seinem nassen T-Shirt geschält und beides achtlos zu Boden fallen lassen.

Bei dem Anblick seines freien, leicht muskulösen Oberkörpers, der mit kleinen funkelnden Regentropfen überzogen war, blieben Amu ihre nächsten Worte förmlich im Halse stecken.

Ihr Blick entging ihm natürlich nicht, weshalb er grinsend ein paar Schritte auf sie zutrat, seinen Kopf auf ihre Höhe senkte und fragte: „Na Amu. Gefällt dir, was du siehst?“

Das riss sie aus ihrer Starre und ließ sie sogleich rot anlaufen wie eine Tomate.

„Ach halt die Klappe, Ikuto.“, murmelte sie bloß und wandte ihren Blick neben sich zu Boden.

Da lehnte sich Ikuto wieder ein Stück zurück und schüttelte seinen Kopf wie ein nasser Hund, woraufhin die Wassertropfen aus seinen Haaren direkt auf Amu spritzten und sie aufschreien ließen.

„Ah Ikuto, hör auf. Das ist kalt und nass.“, keifte sie sogleich los.

Doch Ikuto lachte bloß, wandte sich dann um und nahm eins der Handtücher um seine Haare und das andere um seinen Oberkörper trocken zu reiben.

Amu starrte ihn an, folgte mit den Augen einem Wassertropfen, der sich einen Weg über Ikutos Wirbelsäule suchte und wandte sich dann schnell mit knallrotem Gesicht ab, als ihr bewusst wurde, was sie da gerade schon wieder tat.

Ikuto war es aus dem Augenwinkel nicht entgangen, das Amu ihn erneut angestarrt hatte und auch ihr Erröten hatte er nur zu deutlich gesehen.

Immer noch grinsend, behielt er ihr den Rücken zu gewandt und trocknete sich fertig ab.

Dann fiel sein Blick auf seine immer noch tropfende, klitschnasse Hose und als er sich zu Amu umwandte, sah sie selbst gerade auf den nassen Fleck, der sich um seine Schuhe auf dem Teppich gebildet hatte.

„Ähm, ich schaue mal, ob ich ein paar trockene Sachen von meinem Vater finden kann, bleib du so lange hier.“, brachte die Rosahaarige schnell heraus, ehe sie auch schon aus dem Zimmer flüchtete.

Mit hochgezogener Augenbraue sah er ihr nach und ein weiteres kleines, fieses Grinsen bildete sich auf seinem Gesicht, als er bemerkte, dass es in dem ganzen Haus vollkommen ruhig war.

° Ihre Eltern scheinen gar nicht da zu sein. Da ist Amu wohl gerade, ohne es zu wissen, ein wichtiger Bedrohungsfaktor mir gegenüber verloren gegangen. °, dachte er amüsiert, als Amu auch schon zurück ins Zimmer kam.

Auf den Armen hatte sie ein weiteres großes Handtuch, außerdem ein weißes Hemd, eine dunkle Hose und ein paar graue Socken.

Ein paar Schritte trat sie auf ihn zu und hielt ihm die Kleidung hin, immer darauf bedacht ihn nicht wieder anzustarren.

Ihr Verhalten ließ ihn schmunzeln, doch er nahm ihr ohne jeden Kommentar die Kleidung aus der Hand und legte sie auf ihr Bett.

Dann kickte er sich die Schuhe von den Füßen und zog sich seine nassen Socken aus.

Amu ging derweilen wieder zur Balkontür und sah hinaus in den Regen, während Ikuto sich seine Hose abstreifte, sich schnell abtrocknete und dann in die trockene, dunkle Hose schlüpfte.

Danach zog er sich die trockenen Socken an, hob das weiße Hemd vom Bett und streifte sich dieses über, wobei er die Knöpfe aber offenließ.

Da Amu immer noch nach draußen sah, bemerkte sie Ikuto erst als er direkt hinter ihr stand und seine Hände links und rechts von ihrem Kopf gegen die Glastür stemmte.

Überrascht drehte sie sich um, wobei sie zwischen dem Glas und seiner Brust nicht viel Freiraum hatte und ihr Blick genau auf seine freie Brust fiel.

Dann ließ sie ihren Blick nach oben wandern und ihre Bernsteinaugen trafen auf seine Mitternachtsblauen, in dessen Tiefen Amu förmlich zu versinken schien.

Als Ikuto sich dann wieder zu ihr hinunter beugte, legte sich ein Rotschimmer auf ihre Wangen, während ihre Augen immer größer wurden und da schoss ihr plötzlich ein Gedanke durch den Kopf.

° Will er mich etwa küssen? Nein, oder?! Aber das kann er doch nicht, oder?! Oder?! °, dachte sie verwirrt, als Ikuto sich noch näher zu ihr beugte und sie seinen Atem auf ihrem Gesicht spürte.

Doch kurz bevor sich ihre Lippen berührten, waren Ikutos Lippen plötzlich weg.

Im nächsten Moment jedoch konnte Amu sie an ihrem Ohr wahrnehmen und keine Sekunde später biss Ikuto ihr sanft ins Ohr.

Verschreckt quickte Amu auf und stieß ihre Arme gegen seine Brust, während ihr Gesicht einer Tomate Konkurrenz machte, als sie sich mit vor Entsetzen weit aufgerissen Augen ans Ohr fasste.

° Er hat mich ins Ohr gebissen? Er hat mich doch tatsächlich ins Ohr gebissen?! Spinnt der?! Das kann doch wohl nicht wahr sein?! °, dachte Amu vollkommen verwirrt.

Ikuto hingegen prustete laut los und wich einige Schritte zurück, während er sich Amus erschrockenen Gesichtsausdruck auf ewig ins Gedächtnis einbrannte.

Wütend funkelte Amu ihn daraufhin an und stotterte empört: „W…was sollte d…das denn, Ikuto?!“

Dieser kicherte immer noch und ließ sich auf ihr Bett fallen.

„Jetzt schau doch nicht so. Es macht halt wirklich Spaß dich zu ärgern.“, sagte er mit einem Grinsen im Gesicht und klopfte neben sich aufs Bett.

„Willst du dich nicht auch setzen?“, fragte Ikuto dann.

Amu warf ihm noch einen zornigen Blick zu, ging dann aber zu ihm, packte seinen Arm und versuchte ihn von ihrem Bett zu zerren.

„Vergiss es, dass ich mich mit dir auf mein Bett setze. Du kannst auf dem Fußboden sitzen und warten, aber ich lasse dich nicht auf meinem Bett liegen.“, meinte sie und zerrte noch stärker an seinem Arm.

Ikuto interessierte das herzlich wenig, griff stattdessen in einer flinken Bewegung nach ihren Händen und ehe Amu sich versah, lag sie auch schon unter ihm begraben auf ihrer Matratze.

Er hatte sich mit seinen Armen links und rechts von ihr auf dem Bett abgestützt und sah sie mit funkelnden, dunkelblauen Augen an.

Ihre Bernsteinaugen waren weit aufgerissen, als sie total überrascht zu ihm auf sah.

„Ikuto, was soll das denn? Geh von mir runter! Was ist wenn meine Eltern plötzlich reinkommen?“, meckerte sie und stemmte sich gegen seine Brust.

Doch Ikuto bewegte sich kein Stück, sondern lehnte sich ein wenig näher auf sie und erwiderte nur in einem leicht spöttischen Tonfall: „Deine Eltern sind gar nicht zu Hause, Amu. Sonst wären sie schon längst hereingekommen bei deinem lauten Gezeter. Also denk dir was Besseres aus, um mich loszuwerden.“

° Mist, da hat er recht. Warum musste ihm das bloß auffallen? Warum werde ich eigentlich dauernd rot?! Und warum zum Henker fällt mir das Denken so schwer wenn er mir so nah ist und mich mit seinen verteufelt blauen Augen ansieht?! Arg! °, dachte Amu sauer und wand sich immer noch knall rot im Gesicht unter ihm, ohne jedoch von ihm wegzukommen.

Ikuto lächelte bloß, ließ sich dann aber neben ihr auf die Matratze fallen und zog sie an seine immer noch leicht kühle Brust.

Erschrocken quickte Amu erneut auf und rief: „Ikuto, was soll das werden?! Lass mich los!“

Doch der zog sie nur noch enger an sich und vergrub sein Gesicht in ihrem kurzen, rosafarbenen Haar.

„Nein. Mir ist kalt und du bist eine prima Wärmflasche. Also halt einfach still. Ich tu dir auch nichts.“, meinte Ikuto nur und hielt sie weiter fest an sich gedrückt, wobei er ihr einen Kuss auf ihr Haar drückte.

° Wie bitte Wärmflasche?! Und was soll das heißen, er will mir nichts tun?! Hallo, er hält mich vielleicht schon fest! Und hat der etwa gerade mein Haar geküsst?! Nein oder?! Wie kann er es wagen?! Obwohl…ähm…so schlimm ist es gar nicht. Und er riecht so gut. Halt! Stop, stop, stop! Was denk ich denn jetzt schon wieder?! °, dachte Amu total verwirrt und nur einen Moment lang versuchte sie sich noch aus seiner Umklammerung zu befreien, ehe sie dann aber mit einem Seufzen doch aufgab und ergeben die Augen schloss.

Da sie schließlich aufgehört hatte sich zu wehren, lächelte Ikuto leicht, schloss dann ebenfalls die Augen und fing kurze Zeit später sanft an zu schnurren, wie eine Katze.

Daraufhin öffnete Amu ihre Augen wieder und warf einen Seitenblick auf Ikuto.

Die Nähe seines Körpers und vor allem seines Gesichts ließ sie wenn überhaupt möglich noch röter anlaufen, doch gleichzeitig breitete sich bei dem Anblick seines schlafenden Gesichts ein warmes Lächeln auf ihrem Gesicht aus und sie schloss ihre Augen wieder, wobei sie sich unbewusst in seine Umarmung kuschelte.

 

♠ Flashback Ende ♠

 

° Ja, damals war er die ganze Nacht dageblieben, waren wir doch beide eingeschlafen und erst am nächsten Morgen wieder aufgewacht, wobei ich mir nicht sicher bin, wie lange er geschlafen hat, war er doch schon vor mir wach gewesen und hatte mich mit seinen verteufelt blauen Augen angesehen, als ich wach wurde. Aber wirklich seine Augen gehören eigentlich verboten. Naja, da meine Eltern mit Ami unsere Großeltern besucht hatten und erst gegen Mittag wiederkamen, hatten sie wenigstens nichts von Ikutos Übernachtung mitbekommen gehabt, was wirklich Glück war. Ich will nicht wissen, was mein Vater gesagt hätte, wenn er Ikuto zu Gesicht bekommen hätte. Schließlich hält der mich noch immer für sein kleines Mädchen. °, dachte Amu mit einem Seufzen und fuhr mit dem Finger die Spur eines Regentropfens an der Scheibe nach.

° Aber ich frage mich wirklich, was Ikuto gerade macht? Und wo er wohl steckt? Schließlich ist er schon ziemlich lange weg und scheint gar nicht mehr zurückzukommen. Er hat sich auch schon ewig nicht mehr gemeldet. Dabei vermisse ihn so sehr. Seit er weg ist, habe ich ziemlich viel Zeit zum Nachdenken gehabt und ich glaube seine Worte mittlerweile zu verstehen. Ich glaube, dass er mich nie angelogen hat, auch wenn ich immer dachte, dass er mich nur aufziehen wollte. Aber ob er jetzt genauso empfindet wie ich? Ob er überhaupt noch manchmal an mich denkt? Ach Ikuto, du fehlst mir. °, fragte sie sich im Stillen betrübt, wandte sich mit einem weiteren leisen Seufzen dann wieder von dem Fenster ab und ließ ihren Blick über das mittlerweile etwas kleinere Chaos auf dem Fußboden wandern.

In dem Moment kam auch Utau wieder rein, stellte das kleine Tablett mit zwei Teebechern und einem Teller voller Kekse vorsichtig auf dem Boden ab und reichte Amu einen der Becher.

„Hier trink erst mal einen Schluck, mit den Vorbereitungen sind wir ja auch schon fast fertig.“, meinte die Blonde und nahm sich den zweiten Becher.

Amu lächelte ihr nur dankbar zu und nahm einen großen Schluck von dem wohlriechenden Tee, woraufhin sich ein kleines Lächeln auf ihrem Gesicht ausbreitete.

„Danke, Utau.“, meinte Amu schließlich leise und Utau war sich sicher, dass sich das „Danke“ nicht nur auf den Tee bezog.

° Ach Amu, wir vermissen ihn doch beide. Auch wenn du es nicht zeigen willst, ist es doch so offensichtlich. Aber ich bin wirklich froh, dass wir beide uns so gut verstehen. Und ich möchte dich wieder glücklich sehen. °, dachte die Blonde und sagte: „Nichts zu danken. Viel eher muss ich dir danken für deine große Hilfe. Und ich hab etwas für dich.“

Da sah die Rosahaarige auf, als Utau sich kurz erhob, die obere Schublade der schwarz-weißen Kommode, die links neben dem Fenster an der Wand stand, aufzog und darin herumkramte.

Gleich darauf kam sie mit einem Umschlag in der Hand wieder zu Amu zurück, ließ sich neben ihr auf den Teppich fallen und hielt ihr den Umschlag hin.

Verwirrt aber neugierig griff Amu danach und öffnete ihn vorsichtig.

Kurz darauf weiteten sich ihre bernsteinfarbenen Augen und sie ließ ihren Blick erstaunt und voller Unglaube zwischen der Konzertkarte, die in dem Umschlag steckte, und Utau hin und her wandern.

„Das…das kann d…doch nicht dein E…Ernst sein, oder Utau?“, fragte sie leicht stotternd, doch die Blonde sah sie nur mit funkelnden lilafarbenen Augen an und lächelte.

„Doch Amu, das ist mein voller Ernst. Ich habe ein wenig meine Beziehungen spielen lassen und konnte schließlich eine ergattern. Sie gehört dir.“, erklärte Utau fröhlich.

Amu hingegen war immer noch baff und starrte die Konzertkarte in ihrer Hand an.

Dann blickte sie wieder zu Utau und schüttelte leicht den Kopf.

„Utau, das ist wirklich lieb gemeint, aber die kann ich nicht annehmen. Ich weiß, wie sehr du I…ich meine…deinen Bruder…vermisst. Also solltest du die Karte nehmen und nicht ich.“, meinte Amu leise und hielt ihr die Karte hin.

Doch Utau hob abwehrend die Hände und sagte: „Nein, du wirst dort hingehen. Glaub nicht, dass ich nicht gemerkt hätte, wie sehr du ihn vermisst. Also sie es einfach als dein verfrühtes Weihnachtsgeschenk an, verstanden? Und ich akzeptiere kein nein.“

Damit sah sie die Rosahaarige mit violetten Augen durchdringend an und Amu konnte nicht anders als Utau um den Hals zu fallen.

Im nächsten Moment zitterten Amus Schultern leicht und einzelne Tränen rannen ihr Gesicht hinab.

„Danke Utau, hab vielen Dank.“, schniefte sie leise, woraufhin auch Utau fast die Tränen kamen, welche diese jedoch noch zurückhalten konnte, und Amu stattdessen nur sanft über den Rücken strich.

° Ich kann es nicht glauben. Ich werde ihn wiedersehen können. Das kann doch nur ein Traum sein. Schon übernächste Woche wäre ich bei ihm in Paris. Moment. Paris? °, dachte Amu und stoppte in ihrem Freudentaumel, machte sich von Utau los und sah sie betrübt an.

„Ähm Utau, das Konzert ist doch in Frankreich. Wie soll ich da denn hinkommen? So viel Geld hab ich nicht.“, fragte sie mit einem leicht traurigen Lächeln, woraufhin Utau zu grinsen anfing und den Kopf schüttelte, sodass ihre langen blonden Zöpfe hin und her flogen.

„Ach quatsch. Du Dummi. Natürlich beinhaltet mein Weihnachtsgeschenk auch noch ein Flugticket und auch ein neues Outfit für dich. Auch wenn Weihnachten eigentlich noch ein bisschen hin ist. Aber das dürfte dir ja nichts ausmachen, oder?“, antwortete sie lachend.

Daraufhin sah Amu sie nur sprachlos an, ehe sie Utau erneut um den Hals fiel und sie ganz stark drückte.

„Vielen Dank, Utau. Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Hab vielen Dank.“, murmelte sie vollkommen überwältigt, während Utau ein breites Lächeln auf dem Gesicht hatte.

° Nun das nenne ich wirklich ein gelungenes Geschenk. Jetzt muss ich sie nur noch in ihr Outfit und in den Flieger stopfen und schwupp die wupp hab ich eine glückliche Amu. Hoffentlich klappt auch alles wie geplant. °, dachte das blonde Mädchen und blickte hinaus in den Regen, während ihre Freundin sich die Freudentränen aus dem Gesicht wischte.

° Ich werde ihn wieder sehen. Bald schon habe ich mehr als nur das eine Foto. Ich kann es kaum glauben. °, war alles was Amu noch denken konnte, während immer wieder einzelne Tränen über ihre Wangen rannen.

 

 

♦ ♥ Gespräch mit den Eltern, Tränenreicher Abschied und Konzert in Paris ♣ ♠

 

Langsam lief Amu die regennasse Straße entlang auf ihr Haus zu.

Mit den Händen hielt sie fest umklammert ihren dunkelblauen Regenschirm, der ihr bei dem stürmischen Wind ständig Gefahr lief, weggeweht zu werden.

° So ein blödes Mistwetter aber auch. Warum nur hatte ich beschlossen zu Fuß nach Hause zu gehen?! Ach ja, weil Utau mich einfach mit den Worten vor die Tür gesetzt hatte, dass ich meinen Eltern doch die tolle Nachricht überbringen sollte, und dass es doch kein Problem wäre das kurze Stück zu laufen. Hätte ich doch bloß nicht auf sie gehört. °, dachte Amu seufzend und starrte, weiter gegen den stürmischen Regen ankämpfend, auf den nassen Asphalt unter ihren Füßen, um größeren Pfützen auszuweichen, welche in dem unebenen Boden der Straße entstanden.

° Wie meine Eltern wohl darauf reagieren werden, wenn ich ihnen erzähle, dass ich nach Frankreich will?! Mama wird vielleicht sogar Verständnis dafür haben, aber Papa wird bestimmt durchdrehen. Es wäre vielleicht besser gewesen, wenn Utau mit ihnen vorher gesprochen hätte, schließlich scheinen meine Eltern fast immer auf sie zu hören, was mich echt wundert. Und Ami vergöttert Utau eh und freut sich immer riesig, wenn ich sie mit nach Hause bringe. Naja dann mal auf in die Höhle des Löwen. °, dachte Amu schließlich, als sie endlich vor der Tür zu ihrem Haus ankam, schnell den Schlüssel rauszog und die Haustür aufschloss.

Drinnen machte sie ihren Schirm zu und stellte ihn neben der Tür ab, dann streifte sie schnell ihre nassen Schuhe und ihre Jacke ab und schlüpfte in ihre kuscheligen, rosa Hausschuhe.

Gerade als sie nach ihren Eltern rufen wollte, ertönte schon die Stimme ihrer Mutter: „Amu, schön das du wieder da bist. Wir sind in der Küche.“

So lief sie also den hellen Flur entlang und bog nach links in die Küche ein, welche mit dem Wohnzimmer verbunden war und wo ihre Eltern beide schon am Esstisch saßen.

Ami dagegen saß vor dem Fernseher und sah sich offenbar ein Musikvideo von Utau an, was Amu ein Grinsen entlockte, ehe sie sich auf einem Stuhl gegenüber ihren Eltern am Esstisch niederließ.

Als sie einen Blick auf ihre Eltern warf, runzelte sie leicht die Stirn.

Täuschte sie sich oder sah ihr Vater so aus, als würde er sehr stark an sich halten müssen, um nicht im nächsten Moment in Tränen auszubrechen und ihr an den Hals zu fallen?!

Dann sah Amu zu ihrer Mutter, die im Gegensatz zu ihrem Vater, sie freundlich anlächelte und schließlich fragte: „Möchtest du uns nicht etwas erzählen, Amu?“

° Okay, irgendwas ist hier merkwürdig. Es kommt mir fast so vor als wüssten sie bereits, was ich zu erzählen habe. Ob Utau mich extra durch den Regen hat gehen lassen, um genügend Zeit zu haben mit meinen Eltern zu reden?! Aber das wäre gar nicht schlecht, vorausgesetzt sie lassen mich nach Frankreich. Naja mal abwarten. °, dachte die Rosahaarige etwas überrascht.

„Ähm ja, also Utau hat mir mein…Weihnachtsgeschenk, wie sie es gerne nennt, etwas früher gegeben und ja…es ist eine Konzertkarte für ein…Konzert in…Frankreich.“, brachte Amu leicht unsicher heraus und behielt ihre Eltern dabei genau im Auge.

Ihre Mutter lächelte noch immer, während ihr Vater nun ganz offensichtlich kurz davor war, die Küche unter Wasser setzen zu wollen.

„Aber das ist doch wundervoll. Ich freue mich für dich, Amu.“, sagte ihre Mutter mit ruhiger Stimme und stieß ihren Vater an, der ihr einen gequälten Blick zuwarf, ehe er murmelte: „Ja ganz toll. Freu mich auch für dich.“

Jetzt war Amu total verwirrt und fragte sich in Gedanken: ° Hallo, wer seid ihr und was habt ihr mit meinen Eltern gemacht?! Dass ich Mama vielleicht überreden könnte, hatte ich mir ja schon erhofft, aber das selbst Papa ohne einen Aufstand zu machen einfach zustimmt, kann doch gar nicht sein. °

Ihre Mutter schien ihre Gedanken erraten zu können, denn sie fing an zu lachen und meinte: „Jetzt guck doch nicht so komisch. Utau hat vorhin angerufen, bevor du nach Hause kamst und hat uns alles erzählt. Ich habe schon mit Papa geredet und wir sind einverstanden, dass du eine kleine Reise nach Frankreich machst. Wir möchten, dass du wieder richtig fröhlich wirst. Also amüsier dich gut. Ach und im Übrigen haben wir mit Utau ausgemacht, dass wir deinen Flug bezahlen. Also freu dich einfach, Amu, okay?“

Da wurden Amus bernsteinfarbene Augen ganz groß und im nächsten Moment sprang sie auf und viel ihren Eltern nacheinander um den Hals.

„Habt vielen Dank, ihr seid die besten Eltern der Welt.“, rief Amu und konnte ihre Freudentränen nicht zurückhalten.

Und auch ihr Vater fing an zu schluchzen, wobei Amu sich allerdings nicht so sicher war, ob er es aus Freude für sie und aus Trauer, weil sie ohne ihn wegfahren würde, tat.

Aber das war ihr eigentlich auch egal, sie war einfach nur überglücklich, dass sie beide sie nach Frankreich lassen würden, und so drückte sie ihren Vater nur noch ein wenig fester an sich.

Als sie sich schließlich wieder von ihm löste und ihre Tränen wegwischte, erwiderte sie das Lächeln ihrer Mutter mit strahlend und sah dann zu Ami, welche gerade angefangen hatte mit der Utau im Fernseher mitzusingen.

° Mensch, obwohl sie mittlerweile sechs Jahre alt ist, macht Ami immer noch am liebsten Sing- und Tanzeinlagen vor dem Fernseher. Wenn ich nicht aufpasse wird sie noch mal so berühmt wie Utau. Der ich übrigens einen riesen Dank schulde, sie ist aber auch wirklich meine beste Freundin. °, dachte Amu mit einem Schmunzel und ging zu ihrer Schwester ins Wohnzimmer, wo sie sich auf das Sofa setzte, während sie im Hintergrund noch ihre Mutter hören konnte, die versuchte ihren Vater wieder zu beruhigen.

° Ich kann es kaum noch erwarten. Bald bin ich in Paris und dann werde ich ihn endlich wiedersehen können. Es kommt mir alles wie ein Traum vor. °, dachte die Rosahaarige immer noch total ungläubig und sah durchs Fenster nach draußen, wo es noch immer regnete.

 

♥ 10 Tage später ♥

 

Amu stand draußen vor dem Pariser Flughafen und genoss nach dem langen Flug in dem stickigen, warmen Flieger die frische, kühle Luft und die Möglichkeit endlich mal wieder nach dem langen sitzen stehen zu können.

Der kalte Wind zerrte leicht an ihrem rosafarbenen Haar und dem neuen, langen, dunkelroten Mantel mit schwarzem Kunstpelz-Besatz an den Ärmeln und der Kapuze.

Ja Utau hatte sie komplett neu eingekleidet, sodass Amu unter dem neuen Mantel auch noch eine neue, schwarze Jeans, eine rote Bluse mit schwarzen Ornamenten und passende dunkelgraue Stiefel hatte.

Komplett machte das Outfit noch eine silberne Kette mit einem Kreuzanhänger und zwei rote Kreuzhaarklips, die links und rechts eine Strähne ihres schulterblattlangen Haares zusammenfasten.

Ihre Hände steckten noch in warmen, schwarzen Handschuhen, die ihr ihre Mutter geschenkt hatte.

Ihr gesamtes Gepäck bestand aus einer großen, schwarzen, mit roten Streifen verzierten Umhängetasche, in der sich neben ihrem Ticket und ihrem Pass, noch eine Wasserflasche, ein paar Kekse, ein in Geschenkpapier gewickeltes Päckchen und ein Umschlag von Utau befand, den sie ihr vor dem Abflug gegeben hatte und den sie aber erst nach dem Konzert öffnen sollte.

Ein wenig nervös so ganz alleine in dieser fremden, großen Stadt sah Amu sich nach dem nächsten Straßenplan um, den sie auch gar nicht weit entfernt neben einer Bushaltestelle auf der anderen Straßenseite entdeckte.

° Wie gut das ich ein wenig französisch kann, sonst wäre ich hier wohl ziemlich aufgeschmissen. °, dachte Amu, während sie den Straßenplan genauer studierte und schließlich den Platz fand, wo das Konzert stattfinden würde.

Schnell warf sie noch einen Blick auf den Busfahrplan und stellte erfreut fest, dass der nächste Bus schon in wenigen Minuten kommen würde.

Während sie also auf den Bus wartete, dachte sie an den frühen Morgen zurück, wo sie ihre Familie und Utau auf dem Flughafen in Tokio verabschiedet hatten.

 

♣ Flashback ♣

 

Es war gerade mal halb sechs am Morgen als Amu gemeinsam mit ihrer Familie und Utau in der Abflughalle standen und sich von einander verabschiedeten.

Vor allem ihr Vater schien sich von Amu überhaupt nicht trennen zu wollen, klammerte er sich doch wie verrückt an seine Tochter, sodass diese kaum noch Luft bekam, und ließ seinen Tränen freien Lauf, wobei sein riesen Trara den anderen Passagieren um sie herum nicht entging, welche schon ganz neugierig herüberschauten.

Leicht flehend sah Amu an ihrem Vater vorbei zu ihrer Mutter, welche mit einem leichten Lächeln auf den Lippen ihrer Tochter schließlich zur Hilfe kam und ihren Vater von ihr losmachte.

„Jetzt ist aber gut Papa, ich bin doch gar nicht lange weg.“, meinte Amu beschwichtigend, als sie endlich wieder Luft bekam.

Doch ihr Vater wollte gar nicht hören, sondern jammerte einfach weiter: „Aber du bist doch mein kleine Mädchen. Wie kannst du nur ohne deinen Papa wegfliegen? Du kannst doch nicht einfach gehen und deinen Papa alleine lassen.“

So ging das immer weiter, doch bevor Amu noch etwas sagen konnte, war es ihre Mutter, die ihren Vater schließlich mit einem Blick zum Schweigen brachte.

Dieser verstummte, während aber immer noch Tränen aus seinen Augen quollen und er Amu ganz traurig anschaute.

Derweilen trat nun Amus Mutter zu ihr und nahm sie in die Arme.

„Ich möchte, dass du dich gut amüsierst und dass du wieder richtig lachst und fröhlich bist, wenn wir uns das nächste Mal wieder sehen. Denn ich möchte nicht mehr so eine traurige Tochter haben.“, sprach sie leise in Amus Ohr.

Überrascht schaute Amu ihre Mutter an, als diese wieder von ihr abließ, und nickte dann leicht.

° Mama scheint mich wirklich all die Zeit durchschaut zu haben. Aber ich bin froh, dass sie mich versteht und dass sie mir die Möglichkeit bietet zu ihm zu fliegen. °, dachte die Rosahaarige und ein Lächeln erschien auf ihrem Gesicht.

Als nächstes klammerte sich ihre immer noch total müde aussehende Schwester, welche unbedingt hatte mitkommen wollen, um sie auch zu verabschieden, an sie und sah Amu mit großen Kulleraugen an.

„Schwester? Bringst du mir was mit?“, fragte sie mit ihrer hellen Kinderstimme und setzte ihren besten Welpen-Blick auf.

Da fing ihre große Schwester an zu lachen und strich Ami übers Haar.

„Natürlich. Ich werde schauen, was ich schönes für dich finden kann.“, meinte Amu und zauberte Ami ein breites Lächeln aufs Gesicht.

Zum Schluss kam Utau auf die Sechzehnjährige zu und schloss sie ebenfalls in die Arme.

Leise flüsterte sie Amu ins Ohr, sodass nur diese sie verstand: „Amu, mach dir keine Sorgen um Unterkunft oder ähnliches. Das hab ich alles organisiert. In deiner Tasche ist ein Umschlag von mir. Mach ihn aber erst nach dem Konzert auf. Da steht dann alles drin, was du wissen musst. Also pass gut auf dich auf und grüß ihn bitte von mir. Und Amu sorge dafür, dass du wieder richtig glücklich wirst, verstanden?!“

Damit machte Utau sich wieder von ihrer rosahaarigen Freundin los, welche schon wieder den Tränen nahe war, als sie die Blond ansah.

„Mach ich, aber willst du nicht doch lieber selbst fliegen?“, fragte Amu ein letztes Mal.

Da schnaubte Utau und stemmte die Hände in die Hüften.

„Nein meine liebe Amu. Ich habe heute Abend ein Konzert zu geben, dass dank deiner Hilfe sicher super wird. Also kann ich wohl schlecht nach Frankreich fliegen und auf ein anderes Konzert gehen. Und jetzt hör auf damit, dein Flug geht gleich.“, meinte die blonde Sängerin und wie um ihre Aussage zu bestätigen, ertönte eine Durchsage aus dem Lautsprecher an der Decke.

„Alle Passagiere des Fluges JL 405 von Tokio-Narita nach Paris-Charles de Gaulle begeben sich bitte zum Gate 35.“

„Oh das ist mein Flug.“, meinte Amu, als Utau sie auch schon auf den Schalter der Passkontrolle zuschob, vor dem sich schon eine kleine Schlange gebildet hatte.

„Na dann beeil dich, der Flug wartet sicher nicht auf dich.“, sagte sie lachend, während sie Amu an das Ende der Schlange stellte.

Dort drehte sich die Rosahaarige noch einmal zu ihrer Familie um, welche ihr zum Abschied zuwinkten, wobei ihr Vater noch immer am Weinen war.

Fröhlich winkte sie zurück, ehe sie sich noch ein letztes Mal mit einer Umarmung bei Utau verabschiedete und weiter auf den Schalter der Passkontrolle zutrat.

 

♣ Flashback Ende ♣

 

° Ja, Papa hatte mich am Flughafen dann doch nicht gehen lassen wollen. Aber zum Glück konnte Mama ihn ruhig stellen, schließlich war es doch ein wenig peinlich, wie alle anderen um uns herum neugierig rüber geschaut haben. Naja der Flug war zwar ziemlich anstrengend, aber egal, ist ja auch kein Wunder, wenn man zwölf Stunden in einem engen Sitz eingeklemmt ist. Wenigstens konnte ich ein wenig schlafen. Wäre ja noch schöner, wenn ich beim Konzert einschlafen würde. Nun hoffentlich komme ich pünktlich dort an, schließlich ich der Park in dem das Konzert stattfindet nicht gerade klein. °, dachte Amu mit einem Seufzen, wobei ihr Atem in der kalten Luft kristallisierte.

Kaum war der Bus wenige Minutenspäter da, stieg Amu auch schon ein und ließ sich in dem fast leeren Bus auf einen Sitz am Fenster nieder, von wo aus sie alles fasziniert beobachtete, schließlich war sie noch nie in Paris gewesen.

Die Fahrt mit dem Bus dauerte eine dreiviertel Stunde und fast hätte Amu ihre Haltestelle noch verpasst, hätte der nette Busfahrer sie nicht darauf aufmerksam gemacht, dass sie hier raus wollte.

Mit einem „Merci“ bedankte Amu sich und trat nach draußen, wo sie dem riesigen Stadtpark „Bois de Vincennes“ gegenüberstand.

Stark beeindruckt zog sie einen Stadtplan aus ihrer Tasche und begann die gewundenen Wege, die im Sommer wohl mit blühenden Büschen gesäumt waren, durch den Park entlangzulaufen bis sie endlich den Eingang des Blumenparks „Parc Floral“ fand, welcher für seine vielen verschiedenen Blumen- und Pflanzenarten berühmt war.

Es war mittlerweile schon früher Abend und nach all den Menschen zu schließen, die sich nun um sie herum auf dem Weg durch den Park befanden und offenbar alle zu dem Konzert wollten, würde dieses wohl bald beginnen.

Erleichert das sie nicht zu spät dran war, folgte Amu der Menschenmenge und als sie schließlich die große, überdachte Freibühne am „Espace Delta“ erblickte, die sich auf einem etwas erhöhten Plateau genau neben einem großen See befand, vielen ihr fast die Augen aus dem Kopf. (http://www.aviewoncities.com/img/paris/kvefr1291s.jpg)

° Das ist ja der absolute Wahnsinn. Was für eine fantastische Bühne und der riesige Park mit den ganzen Bächen und Flüssen ist wirklich überwältigend. Schade dass jetzt im Winter keine Blumen blühen, das wäre bestimmt ein wundervolles Farbenspiel. Naja aber am meisten bin ich von den vielen Menschen hier überrascht, die offenbar alle wegen dem Konzert hier sind. °, dachte Amu und folgte den anderen die Treppe hinauf auf das Plateau, wo sich auch schon eine große Traube von Menschen vor dem kleinen Eingangstor drängte, die alle hineingelassen werden wollten.

Noch einmal atmete Amu tief durch, dann packte sie ihre Tasche fester und stürzte sich in das Gedränge hinein.

Es dauerte eine knappe viertel Stunde, ehe Amu endlich beim Kontrolleur angekommen war und ihm nun ihre Karte zeigen konnte.

Dieser warf einen kurzen Blick auf die Karte, lächelte sie dann an und deutete ihr an hineinzugehen.

Wieder mit einem kurzen „Merci“ bedankte Amu sich, lief durch das kleine Tor und stand einer weiteren Meute von Menschen gegenüber, die sich alle schon vor der Bühne auf den Sitzplätzen verteiltet hatten oder sich noch nach den letzten freien Plätzen umsahen.

Bei diesem Anblick seufzte sie leise auf.

° Super, da bin ich wohl schon ein wenig spät dran. Einen Sitzplatz werde ich wohl nicht mehr ergattern können. Aber egal, wenigstens bin ich überhaupt hier und wenn ich mich an den Rand stelle, kann ich ihn ja auch hören und vielleicht sogar sehen, denn in die Schlacht, um die letzten Sitzplätze wage ich mich lieber nicht. °, dachte sie und rieb sich ihre linke Seite, welche in dem Gedränge vorhin eine schmerzhafte Bekanntschaft mit einem fremden Ellbogen gemacht hatte, wobei sie sich auch ihrer schmerzenden Füße bewusst war, auf welche der ein oder andere fremde Fuß getreten war.

° Diese Leute waren echt ziemlich brutal. Dabei ist doch noch genügend Zeit, sodass alle noch rechtzeitig reinkommen werden. Allerdings geht es bei Utaus Konzerten ja mitunter auch nicht wirklich anders zu, wobei ich dort meist hinter der Bühne stehe und mich somit nicht durch einen Pulk aus Fans kämpfen muss. Es wundert mich aber schon wie viele zu diesem Konzert kommen vor allem auch, dass es auf so einer riesigen Bühne stattfindet. Ist er mittlerweile so berühmt geworden? Dann wundert es mich aber, warum er selbst an seinem eigenen Geburtstag ein Konzert gibt? Obwohl vielleicht interessiert ihn der ja nicht so wirklich. Naja auch egal. °, dachte Amu, lief dann um die Menge herum weiter nach vorne und lehnte sich schließlich gar nicht so weit von der Bühne entfernt in sicherem Abstand zur Menge an den schmiedeeisernen Zaun, der den Platz umgab.

Eine halbe Stunde später war alles voller Menschen, die sich alle schon auf das Konzert zu freuen schienen und auch der letzte Sitzplatz war nun besetzt.

° Sind diese Menschen alle wegen Ikuto hier? Das kann doch nicht sein oder? °, fragte sich Amu, ehe sie das aufgeregte Getuschel einiger etwa dreizehnjähriger Mädchen aufschnappte, die sich nicht weit von ihr unterhielten.

„Oh ich bin ja schon so aufgeregt.“, quietschte eines der Mädchen mit kurzen, blonden Haaren und ein anderes nickte bekräftigend und sagte: „Ich auch. Das „Ships“ hier ihre neue Single das erste Mal spielen, ist aber auch der Hammer.“

Ein drittes Mädchen mit einem braunen Pferdeschwanz hüpfte freudig auf und ab und rief: „Ja, ich bin ja schon so lange ein Fan von denen. Und dann treten sie später auch noch zusammen mit Kirari auf. Hoffentlich geht es bald los.“

Und ein weiteres schwärmte: „Stimmt, die Musik von denen ist so toll. Aber es freut mich auch riesig, dass „Fullmoon“ hier auftritt. Ihr Lied „Eternal Snow“ ist einfach wunderschön.“

„Schon, wobei ich mich auch auf das Vorspiel des letzten Interpreten freue. Was dieser Ikuto Tsukiyomi für Melodien mit seiner Violine zaubern kann, ist einfach zum dahin schmelzen.“, meinte schließlich ein fünftes Mädchen mit langen, schwarzen Haaren, welchem die anderen mit den Worten „Da hast du auch wieder recht“ zustimmten.

Verwirrt runzelte Amu über diese Unterhaltung die Stirn und wühlte in ihrer Tasche nach ihrer Konzertkarte.

Als sie sie schließlich gefunden und einen längeren Blick auf sie geworfen hatte, schlug sie sich mit der flachen Hand gegen die Stirn und fing aufgrund ihrer Dummheit an zu kichern.

° Oh man wie blöd. Das mir das nicht früher aufgefallen ist. Das ist ein gemischtes Konzert, bei welchem mehrere, verschiedene Interpreten hauptsächlich aus Japan auftreten. Kein Wunder das hier so viele verschiedene Menschen aufgetaucht sind. Und es scheinen sogar einige Interpreten zu sein, die ich in Japan sogar schon manchmal gehört habe. Neben dieser Boy Band „Ships“, die als erstes spielen wird, folgen also noch einige andere Bands und Solospieler bzw. -sänger. Ikuto scheint schließlich als letzter dran zu sein. Trotzdem hat er hier wohl auch so einige Fans, wie diese Mädchen zum Beispiel. °, dachte Amu und verstaute die Karte wieder in ihrer Tasche, ehe sie ihren Blick über die Menschenmenge schweifen ließ.

Überall unterhielt man sich, diskutierte über die kommenden Musikdarbietungen und fieberte dem Beginn des Konzertes entgegen.

Da gingen dann um neunzehn Uhr auch endlich die Scheinwerfer über der Bühne an und tauchten diese in verschiedenfarbiges, helles Licht.

Sofort wurden alle still, während ein junger Mann, offenbar der Moderator auf die Bühne schritt und alle begrüßte.

„Guten Abend ihre alle. Wir freuen uns sehr, dass ihr heute Abend so zahlreich erschienen seid und möchten euch nun auch gar nicht länger warten lassen. Hier ist die erste Band. Sie nennt sich „Ships“ und ist eine sehr erfolgreiche Band aus Japan. Viel Vergnügen.“, rief der Moderator in sein Mikrofon und verließ die Bühne, während unter donnerndem Applaus und lauten Jubelrufen zwei Jungs, offenbar die Sänger auf die Bühne rannten.

Dann setzte auch schon die Musik ein und die beiden fingen an zu singen.

(http://www.youtube.com/watch?v=yL1A236TRuk&feature=related)

° Die sind ja richtig gut. Da wird Konzert sicher spitze. Und bei so tollen Liedern stört mich auch das Warten auf seinen Auftritt nicht. °, dachte Amu, während die Mädchen neben ihr immer lauter schrien und mitsangen.

Am Ende des Liedes gab es lauten Applaus, ehe auch schon die nächste Band auf die Bühne kam und das nächste Lied erklang.

So ging es immer weiter, mal kannte Amu die Interpreten, mal waren sie ihr völlig unbekannt, doch trotzdem war das Konzert einfach toll.

Die Mädchen neben ihr und auch viele andere Fans im Publikum waren schon ganz heißer vom vielen Schreien und auch Amu taten schon die Hände vom vielen Klatschen weh.

Als der Moderator dann schließlich um kurz vor zweiundzwanzig Uhr den letzten Auftritt des Abends verkündete, wurde Amu sofort um einiges aufgeregter und ihr Herz fing wild an zu schlagen.

„Hier ist nun unser letzter Musiker. Einige werden ihn von verschiedenen früheren Auftritten hier in Paris schon kennen. Ein junger Mann namens Ikuto Tsukiyomi, der ebenfalls aus Japan kommt, und uns zum Abschluss des heutigen Konzertes ein wundervolles, selbstkomponiertes Stück auf seiner Violine vorspielen wird.“, rief der Moderator in sein Mikrofon und verschwand von der Bühne, während das Publikum gespannt auf den letzten Interpreten wartete.

Voller Erwartung und Vorfreude stand auch Amu am Zaun, hatte sich aufgerichtet und war ohne es zu bemerken einige Schritte näher auf die Bühne zugegangen.

° Gleich sehe ich ihn wieder. Nach all den Jahren wird er plötzlich vor mir stehen. Und ich werde seine Violine wieder hören können. °, dachte sie und starrte vollkommen gebannt auf die Bühne, wo jetzt das Licht etwas gedämpft wurde.

Nur einen Augenblick später trat ein junger Mann mit einer Violine auf die Bühne.

Amu achtete gar nicht auf seine Kleidung, welche aus schlichten, schwarzen Schuhen, einer dunklen Jeans mit silbernen, herunterhängenden Ketten an der rechten Seite, einem schwarzblauen, enganliegenden Shirt und einer schwarzen, offenstehenden Jacke mit silbernen Kreuzen an den Reisverschlüssen bestand.

Sondern sie sah nur in das gutbekannte und so schmerzlich vermisste von mitternachtsblauem Haar umrahmte Gesicht mit den, auch wenn sie es aus der Entfernung nicht erkennen konnte, aber von früher doch nur zu genau wusste, verbotenen, saphirblauen Augen mit Versinkungsgefahr.

In der Mitte des gedämpften Lichtkegels blieb er auf der Bühne stehen, sah auf und…

 

 

♦ ♥ Ab ins Hotel - Richtiges Zimmer, falscher Bewohner?! - und Geburtstagsüberraschung♣ ♠

 

…ließ seinen Blick nur ganz kurz über die Menge schweifen, ehe er die Augen schloss und zu spielen begann.

(http://www.myvideo.de/watch/6466475/Tsukiyo_no_Violinist_Ikuto)

Alles wurde ruhig und alle lauschten den sanften Klängen der Violine, welche so eine leicht traurige, melancholische Melodie ergaben.

Auch Amu stand ganz fasziniert da, hatte das Gefühl als ob die Musik förmlich in ihren Körper hineinströmte und in ihr widerklang, sie erfüllte.

° Oh man wie sehr hab ich seine Musik vermisst. Ich kann es ganz genau vor mir sehen, wie er früher im Park vor dem dunklen Abendhimmel nur beleuchtet vom silbrigen Schein des Mondes auf dieser Anhöhe vor dem Pavillon gestanden hatte und auf seiner Violine spielte. Aber dieses Lied kommt mir auch so bekannt vor. Es klingt fast so wie damals, vielleicht nur eine winzige Spur anders, wobei ich den Grund nicht zu bestimmen vermag. Seine Melodie hat einem immer schon einen Einblick in seine Gefühle gegeben, ein wenig von seinem Inneren offenbart. Ob es sich wohl aufgrund seiner Gefühle in den letzten Jahren ein wenig verändert hat? °, dachte die Rosahaarige und sah zu ihm hinauf, wie er da vollkommen in seine Musik vertieft, die Anwesenheit des Publikums fast schon vollständig vergessend, auf seiner Violine spielte.

Leise seufzte sie auf, während sie all ihre eigenen, inneren, verwirrten Gefühle in dem Lied wiederzuerkennen schien, und ließ sich einfach mitreißen von den Gedanken und Gefühlen, die sie so lange versucht hatte zu verdrängen, weil er nicht da gewesen war, und nun nach außen drängten.

Einzelne stumme Tränen rannen über ihr Gesicht, während sie alles andere um sich herum außer Ikuto und seine Musik ausblendete und ihn mit einem Lächeln anblickte.

Am Schluss des Liedes brandete heftiger Applaus auf und das ganze Publikum stieß begeisterte Rufe aus, während Ikuto jedoch  sich nur leicht verneigte und ohne einen weiteren Blick ins Publikum von der Bühne verschwand.

Noch einmal trat kurz der Moderator auf die Bühne, dankte allen für ihr zahlreiches Erscheinen und wünschte eine gute Nacht.

Damit war das Konzert dann auch zu Ende und nach und nach erhoben sich alle Anwesenden und strömten auf die Ausgänge zu.

Amu stand hingegen noch immer in der Nähe des Zaunes und starrte auf die Bühne, wo Ikuto vor wenigen Augenblicken noch gestanden hatte.

 

Mit einem Seufzen verstaute Ikuto seine Violine wieder in ihrem Koffer und ließ die Verschlüsse dessen zu schnappen, dann hängte er ihn sich über die Schulter und wandte sich zum Gehen, als eine Person auf ihn zutrat.

„Das hast du wirklich gut gemacht, Ikuto. Ich bin stolz auf dich, dass du sogar selbst an deinem Geburtstag aufgetreten bist. Und diese Melodie ist wirklich etwas besonderes.“, meinte der Mann vor Ikuto.

Ikuto warf ihm nur einen kurzen Blick zu und zuckte die Schultern, ehe er hinauf in den Sternenhimmel sah.

„Ja, stimmt schon. Es ist etwas besonderes, genau wie sie.“, war alles was er leise murmelte und von seinem Gegenüber auch ungehört blieb.

Da wandten beide sich um und gingen auf das Auto zu, welches nicht weit von ihnen entfernt parkte.

° Ich wünschte, sie hätte das Lied gehört, anstelle von all diesen anderen Menschen. Der Applaus und all das Lob interessieren mich gar nicht so wirklich. Mir geht es nur um die Musik. °, dachte Ikuto und ließ sich neben seinem Begleiter auf die Rückbank des schwarzen BMWs sinken, welcher sich kurz darauf leise vom Park entfernte und Richtung Hotel fuhr.

 

Nach einer kleinen Weile riss Amus sich schließlich vom Anblick der Bühne los und fing an in ihrer Tasche nach dem Umschlag von Utau zu wühlen, denn nun war ja nach dem Konzert und sie wollte schließlich wissen, wo sie jetzt hinmusste.

Langsam öffnete sie den dicken Umschlag, in welchem sich ein kleinerer Umschlag befand, der mit „Für Ikuto ♥“ beschriftet war und definitiv von Utau für ihren Bruder war, und ein gefaltetes Blatt Papier, welches Amu nun neugierig herauszog.

Schnell steckte sie den Umschlag zurück in ihre Umhängetasche und faltete das Blatt auseinander, auf welchem nur wenige Worte geschrieben standen.

 

Hallo Amu ♥.

Hoffe doch, dass dir das Konzert gefallen hat.

Bin mir da allerdings auch ziemlich sicher. ^.^

Nun jetzt kommt noch eine weitere kleine Überraschung für dich.

Schnapp dir ein Taxi und fahr zum Hotel „L'Empire Paris“.

Nimm nicht den Aufzug, sondern die Treppe und lass dich nicht erwischen.

Gehe in den 3. Stock, Zimmer 39.

Viel Spaß noch.

Hab dich lieb

♥ Utau ♥

P.S.: Ich hoffe die Überraschung gefällt dir und geb ihm bitte den Brief von mir.

 

Als Amu den Brief zu Ende gelesen hatte, starrte sie ungläubig mit großen Augen diesen an und wusste gar nicht, was sie zuerst denken sollte.

° Wie jetzt? Was? Ich meine, wie? Äh…Utau!!! Was denkt sie sich bloß? Ich soll in ein Hotel schleichen?! Moment, wem soll ich einen Brief geben?! Ach, was denk ich da?! Sie will, dass ich I…Ikuto treffe?! Das kann ich g…gar nicht glauben. Utau, du bist verrückt! °, dachte sie vollkommen verwirrt und überwältigt zugleich und wusste gar nicht ob sie Utau in ihren Gedanken nun verfluchen oder bejubeln sollte.

Doch dann gab sie sich einen Ruck, steckte den Zettel in ihre Manteltasche und begab sich auf die Suche nach einem Taxi, welche gleich haufenweise vor dem Park standen und offenbar auf viel Kundschaft von dem Konzert hofften.

Schnell ging sie auf das Nächstbeste zu, nannte dem netten, jungen Fahrer den Namen des Hotels und stieg ein.

Die Fahrt mit dem Taxi dauerte nicht viel länger als eine viertel Stunde, dann stieg Amu auch schon wieder aus und bezahlte den Taxifahrer.

Als sie sich zu dem Hotel umdrehte, klappte ihr das Kinn runter und ihre Augen wurden groß. (http://de.hotels.com/hotels/2000000/1640000/1637300/1637283/1637283_42_b.jpg)

° Hier ist er einquartiert? Wo hat er nur das ganze Geld her? Das Hotel sieht total teuer aus. Ob die mich da überhaupt rein lassen?! Aber…ich habe gar keine andere Wahl als es einfach auszuprobieren. Schließlich kann ich sonst nirgends hin, dank Utau. °, dachte die Sechszehnjährige und ging entschlossen auf die große doppelflügelige Glastür zu, welche von einem freundlich lächelnden Portier für sie geöffnet wurde.

Nun doch ein wenig nervös schritt sie über den weichen roten Teppich, der in der Empfangshalle den dunklen Granitboden schmückte und sowohl zum Empfangsschalter als auch zu den Fahrstühlen führte.

Nur kurz sah Amu sich um, ließ sich von dem prunkvollen Raum mit der hohen Decke, dem großen Kronleuchter und den mit Säulen verzierten und mit Gemälden geschmückten Wänden einnehmen, ehe sie entschlossen die Schultern straffte und geradewegs an den weichen Sesseln und Sofas im Wartebereich, der vollkommen verlassen war, vorbei auf eine etwas unscheinbarere Tür zuging, die ins glücklicherweise leere Treppenhaus führte.

Kaum war die Tür hinter ihr wieder zugefallen, atmete Amu auch schon erleichtert aus.

° Ein Glück, keiner hat mich aufgehalten. Wie gut das um diese Uhrzeit auch nicht mehr so viele Menschen hier unten sitzen. Und dann hatte die Empfangsdame am Schalter auch noch glücklicherweise gerade ein Telefonat geführt, sodass mich anscheinend niemand bemerkt hat. Aber echt, was hat sich Utau nur dabei gedacht, mich hier her zu schicken?! °, dachte Amu leicht sauer, ehe sie das Treppenhaus hinaufsah und leise seufzte.

„Na das kann ja heiter werden. Ich hasse Treppen.“, murmelte sie leise, ehe sie begann die ersten der vielen Stufen hinaufzusteigen.

Endlich im 3. Stock angekommen, lehnte Amu sich erst mal kurz gegen die Wand um wieder etwas Luft zu bekommen.

° Man hätte ich doch nur den Aufzug genommen. Diese Treppen sind echt die pure Hölle. Ich bin aber auch völlig aus der Übung. Aber warum muss er auch ganz oben ein Zimmer haben?! Ach ja, er ist ein Kater und liebt ja die Höhe. °, dachte sie mit einem leichten Schmunzeln, ehe sie die Tür des Treppenhauses zum Flur hin öffnete und erfreut feststellte, dass niemand auf diesem Gang unterwegs war.

Langsam setzte sie einen Fuß vor den anderen, während sie die dunklen, edlen Holztüren nach der richtigen Zimmernummer absuchte und ihr Herz pochte mit jedem Schritt ein wenig mehr, desto näher sie ihrem Ziel kam.

° 36, 37, 38 und 39. Oh hier ist es. Aber mein Gott warum bin ich so nervös? Schließlich bin ich doch kein kleines Kind mehr. Und ich begehe ja kein Verbrechen, sondern besuche nur jemanden. Okay nicht jemanden, ich besuche ihn. Aber trotzdem könnte mein Herz vielleicht ein wenig langsamer schlagen, sonst bekomm ich noch einen Herzinfarkt und das wäre in meinem Alter ja wohl echt mal ein Phänomen. Herrgott was denk ich denn?! Ich glaub, ich werde allmählich verrückt und dabei steh ich doch nur vor seiner Hotelzimmertür. °, dachte Amu und hätte ihren Kopf am liebsten feste gegen die nächste Wand gehauen.

Stattdessen holte sie dreimal tief Luft, hob die Hand und klopfte dann endlich leicht gegen die Tür, wobei sich das Klopfen in ihren Ohren, wie laute Donnerschläge anhörte.

Mit immer noch schnell schlagendem Herzen trat sie nervös von einem Fuß auf den anderen und wartete darauf, dass doch endlich jemand diese Tür öffnen möge.

Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, aber dann ging auch endlich die Tür auf und ein Mann mit dunkelblauen Haaren stand vor ihr und sah sie verblüfft und neugierig aus mitternachtsblauen Augen an.

Verwirrt blickte Amu ihn an und fragte zögernd: „I…Ikuto? Nein, Moment…sind…sind sie etwa I…Ikutos Vater A…Aruto?“

Da hob ihr Gegenüber eine Augenbraue und schenkte ihr ein kleines Lächeln, ehe er antwortete: „Oh du kennst mich also. Ja, ich heiße Aruto Tsukiyomi. Und wenn ich nicht falsch liege, bist du Amu Hinamori, stimmt´s? Du möchtest doch sicher zu Ikuto, oder? Ach was rede ich, komm doch erst mal rein.“

Damit trat er auch schon zur Seite und deutete ihr mit seiner Hand hineinzugehen.

Ein wenig schüchtern sah Amu ihn noch einen Moment an, ging dann an ihm vorbei und betrat das Zimmer.

Es hatte dieselbe elegante Erscheinung, wie schon die Empfangshalle und der Flur eben.

Der Boden bestand auch wieder aus dunklem Granit auf welchem weitläufige, flauschige, weiße Teppiche lagen.

An sich war es ein großer Raum mit einer kleinen Bar und einem großen Wohnbereich, bestehend aus zwei Sesseln und einem großen Sofa in dunkelrot und einem dazu passenden Tisch aus Ebenholz.

Links befanden sich zwei offene Türen, wobei die rechte einen Blick auf ein großzügiges Bad mit einer überdimensionalen Badewanne zeigte und das andere den Blick auf ein großes Bett freigab.

Auf der anderen Seite befand sich eine weitere Tür, die wohl in ein zweites Schlafzimmer führte und genau gegenüber von Amu verdeckten lange Vorhänge den Blick aus der Glasfront, hinter der sich wohl der Balkon befinden musste.

Während Amu sich immer noch fasziniert umsah, hatte Aruto schon die Tür hinter ihr geschlossen, war an ihr vorbeigegangen und hatte sich auf einem der Sessel niedergelassen.

„Möchtest du dich nicht setzen, Amu? Und du kannst ruhig deinen Mantel ablegen. Es muss doch ziemlich warm darin sein.“, meinte er freundlich und wies mit seiner Hand auf das Sofa ihm gegenüber.

Leicht zuckte Amu zusammen, hatte sie doch gerade vollkommen vergessen gehabt mit wem sie im Zimmer war, nickte dann aber leicht und entledigte sich ihres Mantels und ihrer Handschuhe, die sie neben sich auf das Sofa legte, als sie gegenüber von Aruto Platz nahm.

Dass er sie die ganze Zeit beobachtete entging Amu nicht und sie fühlte sich ein wenig nervös.

Schließlich riss sie sich zusammen und sagte: „Entschuldigen sie bitte mein plötzliches Erscheinen. Aber ich muss gestehen, ich bin etwas verwirrt. Warum sind sie hier? Und woher kennen sie meinen Namen?“

Da fing Aruto an zu lachen, woraufhin er einen perplexen Blick von Amu kassierte.

„Oh tut mir leid, aber dieselben Fragen könnte ich dir natürlich auch stellen, wobei ich deine Antworten allerdings schon kenne. Aber wie ich sehe, hat Utau dir nichts verraten, nehme ich an?“, erwiderte er, nachdem er wieder aufgehört hatte zu lachen.

Verwirrt sah Amu ihn an, legte ihre Stirn in Falten und fragte: „Wie? Utau?“

Da fiel es Aruto merklich schwer nicht wieder zu lachen und antwortete: „Ich sehe schon. Das war typisch meine Tochter. Aber gut. Ich erkläre es dir. Ich habe mehr oder weniger zufällig Kontakt mit Utau gehabt, als sie mal wieder versucht hatte Ikuto anzurufen und er sein Handy vergessen hatte, sodass ich ranging. Ähm, die Details überspring ich jetzt. Aber was wichtig ist. Sie hat über mich eine Karte zu dem Konzert von heute Abend bekommen und auch die Adresse von diesem Hotel und die Zimmernummer. Eigentlich dachte ich, dass sie selbst kommen wollte, aber dem war scheinbar nicht so. Schließlich bist du jetzt da.“

Daraufhin sah Amu ziemlich überrascht aus und dachte: ° Das kann doch wohl nicht wahr sein. Ich sitze hier mit Ikutos und Utaus Vater und wie es aussieht hat Utau das alles von Anfang an so arrangiert. Aber wenn selbst ihr Vater hier ist und dachte, dass sie kommt, warum hat sie mich dann geschickt? °

„Ähm ja, was Utau sich dabei gedacht hat, ist mir auch nicht so klar. Sie meinte, das Ganze wäre mein verfrühtes Weihnachtsgeschenk oder so. Und sie hatte heute Abend ebenfalls ein Konzert. Aber sie…ähm haben meine Fragen nicht beantwortet.“, erklärte die Sechszehnjährige dann und sah ihn nun neugierig an.

Da hob Aruto die Hand und fuhr sich durch sein dunkelblaues Haar.

„Ja, da hast du recht. Also ich bin hier, weil Ikuto und ich uns vor kurzem gefunden und ausgesprochen haben. Mehr sage ich dazu jetzt nicht. Und woher ich dich kenne. Nun Ikuto redet manchmal ein wenig im Schlaf. Dabei murmelt er immer einen Namen, nun deinen Namen, Amu. Ich habe ihn mehrfach versucht darauf anzusprechen, doch er ist diesem Thema immer ausgewichen, wobei sein Gesicht immer zu einer undurchdringlichen Maske wurde und nur in seinen Augen konnte man einen leicht traurigen Ausdruck erkennen. Das hat mich neugierig gemacht. Schließlich habe ich Utau nach dir gefragt und sie hat mir ein wenig von dir erzählt. Deshalb bin ich eigentlich auch gar nicht so überrascht dich hier zu sehen, Amu.“, sagte Aruto und musterte Amu mit freundlichen Augen.

Nachdenklich sah diese ihn an, ohne ihn wirklich wahrzunehmen und dachte über das gerade erfahrene nach: ° Ich verstehe, Ikuto hat seinen Vater also wieder gefunden und sie haben sich versöhnt. Und Ikuto hat mich scheinbar nicht vergessen. Aber warum hat er immer so reagiert, wenn sein Vater meinen Namen gesagt hat? Was denkst du über mich, Ikuto? °

Da fiel ihr Blick auf die Uhr an der Wand hinter Aruto und sie sah hektisch auf die Uhr an ihrem Handgelenk, welche aber dieselbe Zeit zeigte, nämlich halb zwölf und damit war Ikutos Geburtstag schon fast zu Ende.

Ihr Blick war leicht gehetzt, als sie wieder zu Aruto sah, der sie die ganze Zeit nur still beobachtet hatte.

„Wissen sie wo Ikuto ist? Warum ist er eigentlich nicht hier?“, fragte Amu, woraufhin Aruto sich mit einem Lächeln erhob und meinte: „Keine Sorge, wie ich ihn kenne, ist er vom Balkon aus auf das Dach geklettert, um ein wenig alleine zu sein. Ich werde ihn rufen. Warte kurz.“

Damit lief er rüber zu den Vorhängen, ging zwischen ihnen hindurch, sodass sie hinter ihm wieder zufielen, hinaus in die Kälte und rief: „Ikuto, komm rein, es ist ziemlich kalt und ich will dir was Wichtiges zeigen.“

Gleich darauf kam Aruto zurück ins Zimmer, lächelte Amu noch einmal zu und ging dann auf die Zimmertür zu.

„Ich werde ein wenig runter in die Hotelbar gehen. Dann könnt ihr euch in aller Ruhe unterhalten. Hat mich gefreut, Amu.“, sagte er noch mit einem Zwinkern, ehe die Tür hinter ihm zufiel.

Innerlich wieder total nervös erhob Amu sich nun von dem Sofa und stellte sich, Utaus Brief für Ikuto in der Hand haltend, so in die Mitte des Raums, dass sie die Vorhänge genau vor sich hatte.

Sie hörte ein leises Knirschen, als er anscheinend gerade vom Dach zurück auf den Balkon gesprungen war, und als dann die Vorhänge sich bewegten und er zwischen ihnen hervortrat, fing ihr Herz schneller an zu schlagen.

„Mensch, was willst du mir denn so wichtiges zeigen, Vater?“, fragte Ikuto leicht genervt, fuhr sich mit der linken Hand durch sein dunkelblaues Haar und sah auf.

Erschrocken blieb er wie angewurzelt stehen und seine Augen weiteten sich, als er Amu vor sich stehen sah.

Er musterte sie von oben bis unten und sah dann wieder in ihre bernsteinfarbenen Augen.

„Amu?“, war alles was er herausbrachte und in Gedanken dachte er weiter: ° Was machst du denn hier? Bist du es wirklich? °

Sie wusste nicht so recht, was sie sagen sollte, traute ihrer Stimme auch nicht so ganz, also nickte sie nur leicht und ging zögerlich einen Schritt auf ihn zu.

Das schien bei Ikuto etwas auszulösen, denn plötzlich war er mit wenigen schnellen Schritten auf sie zugegangen und hatte sie fest an sich gezogen.

Überrascht quickte Amu auf, als sie sich plötzlich an seinem von der Kälte gekühlten Körper gedrückt wiederfand, worauf Ikuto sie wieder los ließ und zwei Schritte Abstand zwischen sie brachte.

Er musterte sie noch einmal, woraufhin sie rot anlief, was ihm nicht entging, und ein breites Grinsen erschien auf seinem Gesicht.

„Genau wie früher.“, sagte er frech, woraufhin Amu, die bis gerade eben durch seine plötzliche Nähe von all ihren verschiedenen Gefühlen überrannt worden war und nicht wusste für welches sie sich zuerst entscheiden sollte, sich für die Wut gemischt mit Trauer entschied.

Sofort wurden ihre Augen zu Schlitzen und ihr Gesichtsausdruck wurde zornig, wobei auch die Röte wieder verschwand.

„Was zum Henker soll das?! Kaum siehst du mich wieder, drückst du mich an dich und machst dich über mich lustig?! Du hast dich kein Stück verändert. Du bist echt fies. Nie hast du dich gemeldet! Nie hast du irgendetwas von dir hören lassen! Drei lange Jahre. Drei JAHRE! Warum verdammt?! Warum?! Du bist so ein Idiot! Ikuto!“, schrie Amu immer lauter, während sich gleichzeitig kleine Tränen aus ihren Augenwinkeln stahlen und sich ihren Weg über ihr Gesicht suchten.

Durch diesen Ausbruch verschwand das Grinsen von Ikutos Gesicht und er sah sie leicht erschrocken, aber auch traurig an.

„Amu, ich…“, fing er an und streckte langsam die Hand nach ihr aus, doch sie wich vor ihm zurück, hob abwehrend die Hände und sagte diesmal etwas leiser: „Nein, sag nichts. Ich will es gar nicht hören. Ich will nicht hören, wie egal ich dir mittlerweile bin. Du scheinst dich hier ja gut amüsiert zu haben a…all die Zeit. Hast ja einige Fans, und sogar deinen Vater hast du wiedergefunden. Freut mich wirklich. Ich…ich hätte mir gar keine Gedanken um dich machen brauchen. Wie dumm von mir. Ich…ich glaube, ich g…gehe besser wieder. Wollte dir eh nur zum Geburtstag gratulieren, aber das war ja wohl überflüssig. Naja der ist von deiner Schwester.“

Damit ließ sie den Brief von Utau fallen, den sie noch immer in der Hand gehalten hatte, drehte sich um und ging zu dem Sofa, worauf ihre Sachen lagen.

Doch noch ehe sie ganz dort angekommen war, schlangen sich plötzlich zwei Arme um sie und zogen sie an eine feste Brust.

° Nein bitte nicht. Ich will seine Nähe nicht spüren. Nicht. °, dachte Amu, blieb wie erstarrt stehen, fing leicht an zu zittern und stammelte: „I…Ikuto, lass mich los. B…Bitte.“

Aber dieser zog sie nur noch fester an sich und vergrub sein Gesicht in ihrem langen, rosafarbenen Haar.

„Amu, bitte geh nicht. Bleib hier und hör mir zu. Ich erkläre es dir, aber bitte geh nicht einfach weg. Bitte.“, flehte er leise und mit rauer Stimme.

Amus Herz klopfte bedingt durch seine Nähe wie wild, ihre Gefühle fuhren Achterbahn und alles was sie schließlich hervorbrachte war nur ein gemurmeltes „Okay“.

Erleichtert ließ Ikuto sie los, woraufhin sie sich wieder wie vorhin auf dem Sofa niederließ und Ikuto nahm in dem Sessel, wo zuvor schon Aruto gesessen hatte, ihr gegenüber Platz.

Schnell wischte Amu sich ihre Tränen von den Wangen und sah zu Ikuto hinüber ohne ihm jedoch in die Augen sehen zu können.

Leise räusperte er sich, ehe er sprach: „Also zuerst muss ich dir sagen, dass ich dich nie vergessen habe und du mir auch nie egal geworden bist, Amu. Und es bedeutet mir viel, dass du an mich gedacht hast. Aber nachdem ich gegangen war, um nach meinem Vater zu suchen, dachte ich, dass du mit…Tadase zusammenkommen würdest. Und da hielt ich es nicht für angebracht mich zu melden, wusste ich doch auch nicht, was ich dir hätte erzählen sollen. Im Übrigen glaubte ich auch, dass…du mich mittlerweile vergessen hättest.“

Daraufhin blieb es einen kurzen Moment ganz still, bis Amu plötzlich anfing zu kichern, während ihr gleichzeitig wieder kleine Tränen über die Wangen liefen.

Verwirrt sah Ikuto sie an und wusste nichts mit ihrer Reaktion anzufangen, sodass er sie einfach nur stumm ansah.

Schließlich hörte Amu wieder auf zu kichern, stand auf und ging zu den Vorhängen hinüber, welche den Blick auf den Balkon verbargen.

Mit dem Rücken zu Ikuto sagte sie dann: „Verstehe, da lagst du ziemlich falsch, Ikuto. Nun was Tadase angeht, so hat er seit über zwei Jahren eine feste Freundin. Und wenn ich ganz ehrlich sein soll, verstehe ich nicht, wie du annehmen konntest, dass nach allem, was geschehen ist, was wir gemeinsam durchgestanden haben, ich dich vergessen würde.“

Überrascht sah der Blauhaarige zu ihr herüber, als sie sich nun zu ihm umdrehte und die Arme vor ihrer Brust verschränkt ihn mit ihren Bernsteinaugen fixierte, in denen sich nun Schmerz widerspiegelte.

„Ganz ehrlich, Ikuto. Du weißt gar nicht, wie sehr ich mir gewünscht hatte dich zu vergessen, als ich bemerkte, dass du mir nie schreibst, dich nie bei mir meldest. Schließlich nahm ich sogar an, dass ich dir demnach wahrscheinlich ziemlich egal war. Aber so sehr ich es auch versuchte, ich konnte dich nicht vergessen. Dich und deine Art mich ständig auf die Palme zu bringen. Ständig fühlte ich mich irgendwo an dich erinnert. Ich hatte das Gefühl, dich immer irgendwo zu sehen, wo du gar nicht warst. Es war fast so als ob ich verrückt würde.“, meinte Amu leise.

Nur einen kurzen Moment hielt sie inne, wobei sich ihre Hände fester um ihre Arme legten, dann fuhr sie fort: „Alle haben sich schließlich Sorgen gemacht, weil ich so schlecht aussah. Deshalb…versuchte ich zu verbergen, was ich mir selbst nicht eingestehen wollte. Nämlich…meine Gefühle…dass ich…“

Doch sie brach ab, sah ihn unsicher an und schüttelte dann sachte den Kopf.

Langsam trat sie zu dem am Boden liegenden Brief, den sie vorher hatte fallen lassen, hob ihn auf und gab ihn Ikuto.

„Ließ ihn, er ist von deiner Schwester. Dank ihr bin ich übrigens überhaupt erst hergekommen. Dabei sollte es eigentlich nur ein Konzertbesuch werden. Ich hätte nicht erwartet, dass sie es sogar schafft, dass ich mit dir reden konnte.“, erklärt Amu, während Ikuto langsam von ihr auf den Brief in seiner Hand sah.

Dann öffnete er den Umschlag und zog die Karte hervor.

 

Hallo Ikuto ♥.

Alles Gute zum Geburtstag ♥.

Dein Geschenk steht vor dir und ich hoffe doch sehr, dass es dir gefällt.

Und um das gleich noch klar zu stellen.

Wage es ja nicht, dein Geschenk traurig zu machen, denn das war sie jetzt wahrlich lange genug, wofür ganz allein du verantwortlich bist.

Also kümmer dich gut um sie und wehe ich sehe sie das nächste Mal nicht fröhlicher.

Liebe Grüße, deine Utau ♥

P.S.: Ach und noch was. Komm endlich nach Hause. Ich vermisse dich nämlich auch, du Idiot.

 

Irritiert sah Ikuto von dem Brief in seiner Hand auf zu Amu, welche sich wieder mit dem Rücken zu ihm hingestellt hatte, und fuhr sich mit der linken Hand durchs Haar.

° Oh man, typisch Utau.  Das ist aber auch wirklich das beste Geburtstagsgeschenk überhaupt. Nur leider scheine ich sie schon traurig gemacht zu haben. Mist, dass sollte sie besser nicht erfahren. Aber das Amu so gelitten hat, war nie meine Absicht gewesen. Mir ging es ja schließlich auch nicht anders. Wenn ich das nur gewusst hätte. Scheinbar war ich wirklich ein Idiot. Darin sind die beiden sich jedenfalls einig. °, dachte er mit einem Seufzen, legte den Brief zur Seite und stand auf.

Leise ging er auf Amu zu und zog sie an sich.

Überraschenderweise wehrte sie sich dieses Mal nicht, hatte sie sich doch eigentlich auch viel zu lange schon nach einer Umarmung von ihm gesehnt, als sie plötzlich seinen warmen Atem an ihrem Ohr spüren konnte.

„Ich habe dich vermisst, Amu.“, flüsterte Ikuto leise und mit samtweicher Stimme, was Amu einen Schauer über den Rücken laufen und ihre Knie weich werden ließ.

Doch sie schüttelte nur leicht den Kopf und sprach: „Hör auf, Ikuto. Du…“

Doch Ikuto unterbrach sie.

„Nein Amu. Hör mir zu. Erinnerst du dich noch an das Gespräch in deinem Zimmer nachdem Tadase dir seine Liebe gestanden hatte? Du hast mich gefragt, wen ich liebe und ich habe es dir gesagt, aber du hast es mir nicht geglaubt.“, meinte der Blauhaarige und drehte sie zu sich herum, sodass er ihr in die Augen sehen konnte.

„Natürlich habe ich dir nicht geglaubt. Schließlich konntest du das wohl kaum ernst meinen. Du warst doch eh viel älter als ich, da hättest du dich ja wohl kaum für mich interessiert. Außerdem hast du mich doch ständig nur geärgert, wie hätte ich dir sowas also glauben sollen?“, fragte Amu und wich seinen Blick aus.

„Ganz einfach…“, fing Ikuto an, hob sanft ihr Kinn, sodass seine mitternachtsblauen auf ihre bernsteinfarbenen Augen trafen, und sprach weiter: „…in dem ich es dir noch einmal sage. Ich liebe dich, Amu.“

Da weiteten sich ihre Augen und sie sah ihn total überrascht an, während sich auf ihren Wangen das verräterische Rot wieder breit machte.

„Und warum sollte ich dir das ausgerechnet jetzt glauben?“, versuchte sie trotzig zu fragen, wobei ihre Stimme aber leicht zitterte.

Daraufhin zeichnete sich ein kleines Lächeln auf Ikutos Gesicht ab.

„Oh das ist ganz einfach.“, antwortete er leise und kam ihrem Gesicht näher.

„Ich werde es dir zeigen.“, hauchte er und damit legte sich, ehe Amu zurückweichen konnte, Ikutos freie Hand auf ihren Rücken, zog sie näher an ihn heran und keinen Augenblick später spürte Amu seine warmen, weichen Lippen auf ihren.

Für einen Moment weiteten sich ihre Augen überrascht, während ihr ein wohliger Schauer über den Rücken lief und ihre Knie nachzugeben drohten, aber dann schloss sie ihre Augen, seufzte leise und gab dem Kuss nach, verschränkte schließlich sogar ihre Hände in Ikutos Nacken und zog ihn noch ein wenig näher an sich heran.

Auch Ikuto schloss nun seine Augen und genoss endlich seinen langersehnten Kuss mit Amu.

Erst nach einer Weile, als beiden die Luft ausging, lösten sie sich wieder voneinander und Amu starrte mit hochroten Wangen scheinbar sehr interessiert den Fußboden neben sich an, während sich auf Ikutos Lippen ein leichtes Grinsen zeigte.

Sachte fuhr er mit dem Finger über ihre geröteten Wangen, woraufhin Amu wieder zu ihm aufsah und von seinen saphirblauen Augen in den Bann gezogen wurde.

„Du bist wunderschön, Amu. Vor allem wenn du wegen mir so rot anläufst.“, sprach er leise mit verführerischer Stimme.

Da riss die Rosahaarige sich von seinen Augen los und sah ihn leicht gespielt wütend an.

„Man bilde dir bloß nichts drauf ein, du Idiot. Ich bin immer noch sauer auf dich.“, meinte Amu, marschierte zu ihrer Umhängetasche, die noch immer auf den Sofa lag, und aus der sie ein Päckchen, in dunkelblaues Geschenkpapier gewickelt, hervorzog.

Dieses warf sie ihm zu und sagte: „Dein Geburtstagsgeschenk.“

Verdutzt fing Ikuto es auf, musterte es einen Moment und riss es dann auf.

Zum Vorschein kam ein schmaler, weicher, dunkelblauer Schal mit eingewebten dünnen, silbernen Fäden, welche den Schal wie den mit Sternen übersäten Nachthimmel funkeln ließen.

Überrascht strich Ikuto über den weichen Stoff, ehe er ihn sich um den Hals schlang und dann auf Amu zutrat.

Noch ehe Amu sich versah, befand sie sich wieder an seine Brust gedrückt und sie konnte seine Lippen auf ihrem Haar spüren.

„Danke, Amu. Er ist wirklich schön.“, hauchte er leise an ihr Ohr, was sie leicht erschauern ließ.

Langsam sah sie zu ihm auf und wollte gerade etwas sagen, als sie im nächsten Moment seine Lippen erneut auf ihren spürte.

Als er dann schließlich wieder ein Stück zurückwich, sah sie ihn mit flammend rotem Gesicht an und fragte leicht außer Atem: „K…könntest du das mal lassen, wenn ich dir was s…sagen will?“

Doch da grinste Ikuto nur, küsste sie noch mal leicht auf den Mund und kicherte dann: „Was möchtest du mir denn sagen? Und wenn du es nicht magst, brauchst du es bloß zu sagen.“

Daraufhin lief sie wenn überhaupt möglich noch röter an, packte ihn an beiden Enden seines neuen Schals und zog ihn zu sich herunter.

„Ich liebe dich, du Idiot.“, flüsterte sie und legte ihre Lippen nur ganz kurz auf seine, doch gerade als sie zurückweichen wollte, schlangen sich Ikutos Arme um sie und zogen sie ganz fest an seinen Körper.

Sie wollte sich erst schon gegen ihn stemmen, doch als sie dann seine Zunge spürte, die sachte über ihre Lippen strich und um Einlass bettelte, gab sie ihm mit einem Seufzen nach und ließ sich von dem Kuss gefangen nehmen.

Erst als Amu kaum noch Luft bekam, unterbrach Ikuto schließlich den Kuss wieder und schaute sie aus funkelnden Augen an.

„Das ist das beste Geburtstagsgeschenk, das ich je bekommen habe und werde.“, meinte Ikuto mit einem ganz breiten Lächeln und küsste Amu auf die Wange.

Diese hingegen machte sich aus seiner Umarmung los und ließ sich auf das Sofa fallen.

„Sehr schön. Und wann gedenkst du wieder nach Japan zu kommen? Ich fliege nämlich morgen schon zurück.“, fragte Amu ihn dann plötzlich wieder ernst.

Da ging Ikuto zu ihr herüber und beugte sich über sie, sodass sie sich immer tiefer in die Kissen der Rückenlehne sinken ließ, um vor ihm zurückzuweichen.

„Nun…“, hauchte er ganz nah an ihrem Ohr, „…das verrate ich dir erst morgen.“

Damit biss er ganz sachte zu und wich dann vor ihrer Hand zurück, welche Amu gerade ausgeholt hatte, um ihn zu schlagen.

Empört sah sie ihn an und rief: „Man du änderst dich echt gar nicht. Wie kann ich dich nur vermisst haben?!“

Doch Ikuto achtete gar nicht darauf, sondern erwiderte kichernd: „Weil du mich liebst.“

Und ehe Amu darauf wieder etwas sagen konnte, spürte sie schon erneut seine Lippen auf ihren.

Von draußen konnte man eine Kirchturmuhr Mitternacht schlagen hören, doch das bekamen die beiden gar nicht mehr mit.

 

 

♦ ♥ Turbulenter Morgen, Abschied am Flughafen und ein Versprechen ♣ ♠

 

Am nächsten Morgen machte Amu verschlafen die Augen auf und sah direkt in die mitternachtsblauen Augen von Ikuto.

„Morgen Ikuto.“, murmelte sie leise, schloss immer  noch müde ihre Augen wieder und kuschelte sich in ihr Kissen.

Ikuto musterte sie nur still und zählte in Gedanken von Zehn rückwärts. ° 3-2-1-und… °, dachte er, als die Rosahaarige auch schon abrupt die Augen aufriss, ihn geschockt ansah und im nächsten Moment erschrocken vor ihm zurückwich, sodass sie mit einem lauten Knall aus dem Bett fiel.

Da fing Ikuto lauthals an zu lachen, während Amu perplex auf dem Boden saß, sich ihren schmerzenden Hintern rieb und ihn verwirrt musterte.

° Man hat mich das erschreckt. Wie konnte ich nur vergessen, dass ich hier in Paris bei Ikuto bin? Das ist ja so peinlich. Aber warum muss er jetzt lachen? Ich finde das gar nicht witzig. °, dachte sie leicht wütend, wobei ihre Wangen sich vor Scham rot verfärbten.

Langsam nur erholte Ikuto sich von seinem Lachanfall, krabbelte dann aber schließlich an Amus Bettende und hielt ihr eine Hand hin, welche sie eher widerwillig annahm.

Schnell zog er sie wieder zu sich hoch aufs Bett und meinte ein Kichern unterdrückend: „Na, jetzt bist du wohl wirklich wach. Warum bist du denn aus dem Bett gefallen? Warst du so überwältigt von meinem Anblick?“

Darauf erntete er von Amu nur einen tödlichen Blick, der ihn jedoch nicht zusammenzucken ließ.

Stattdessen griff er sich mit beiden Händen ans Herz, fiel nach hinten um und fing laut an zu lachen.

Wütend verschränkte Amu die Arme vor der Brust und versuchte die rote Farbe von ihren Wangen wieder verschwinden zu lassen, was ihr jedoch nicht so recht gelang.

So schnappte sie sich ihr Kissen, schlug damit auf den immer noch lachenden Ikuto ein und sagte sauer: „Als ob, du Idiot. Das hättest du wohl gerne. Du bist und bleibst bloß ein perverser Straßenkater. Dein Anblick hat mich einfach nur zu Tode erschreckt. Abgesehen davon das er auch Tote erwecken könnte. Und hör endlich auf zu lachen! Was kann ich denn dafür, dass du normallerweise nicht neben mir liegst, wenn ich aufwache?“

Bei ihren letzten Worten hörte Ikuto endlich wieder auf zu lachen, schnappte Amus Hände, als sie ihn gerade wieder mit dem Kissen hauen wollte, und drückte sie mit seinem Gewicht auf die Matratze.

Sofort wollte Amu sich gegen seinen Griff wehren, als sie plötzlich seinen warmen Atem an ihrem Ohr spürte.

„Verzeih, ich wollte dich nicht auslachen. Es hat nur so komisch ausgesehen, wie du mich erst angestarrt hast, als wäre ich ein Geist. Und du mich dann mit deinen Blicken umbringen wolltest. Es tut mir leid.“, murmelte er leise.

Ein warmer Schauer lief ihr über den Rücken, als sie seine Lippen spürte, die sich langsam von ihrem Ohr über ihre Wange einen Weg zu ihren Lippen suchten.

Doch gerade als er sie küssen wollte, seine Lippen nur noch wenige Millimeter von ihren entfernt waren, ertönte plötzlich ein lautes Klirren und ein Fluchen aus dem Nebenraum.

Erschrocken fuhren beide hoch und rannten dann schnell aus Ikutos Schlafzimmer.

Im Badezimmer gleich daneben konnten sie die leise vor sich hin fluchende Stimme von Ikutos Vater vernehmen und als sie einen Blick durch die offenstehende Tür warfen, erkannten sie Aruto auf den Fliesen kniend.

Vor ihm breitete sich eine Lache aus heller Flüssigkeit aus, von der der angenehme Duft eines Männerparfüms ausging, und viele feine Glasscherben, die offenbar von der ehemaligen Parfümflasche herrührten, lagen auf dem Boden verstreut.

Offenbar hatte Aruto gerade versucht einige Scherben mit der bloßen Hand aufzusammeln und war dabei nicht vorsichtig genug gewesen, denn seine linke Hand blutete und hinterließ erste dunkelrote Tropfen auf den weißen Fliesen.

Sofort wollte Amu zu ihm gehen, als Ikuto sie auch schon zurückzog, bevor sie mit ihren bloßen Füßen in die Scherben treten konnte.

„Warte Amu, lass mich das machen. Da liegen überall Scherben.“, warnte Ikuto sie, nahm dann zwei Handtücher von dem Regal neben der Tür und warf das eine über die Scherben auf den Fußboden.

Dann lief er mit dem zweiten zu seinem Vater und drückte es auf dessen blutende Hand.

„Also echt, kannst du nicht aufpassen, Vater?!“, fragte Ikuto leicht sauer und zog seinen Vater mit aus dem Badezimmer.

Dieser erwiderte nur: „Dir auch einen schönen guten Morgen, Ikuto.“

Dann sah er zu Amu, welche ihn besorgt ansah und meinte: „Guten Morgen, Amu. Hübsches Outfit.“

Verwirrt sah sie daraufhin an sich herunter. Sie trug eine dunkelgraue, viel zu lange, mehrfach umgekrempelte Jogginghose und ein ebenfalls viel zu weites Sweatshirt, was Ikuto ihr zum Schlafen gegeben hatte.

Leicht verlegen sah sie wieder auf und konnte mit einem Schmunzeln dabei zu sehen, wie sich Vater und Sohn zankten.

„Ikuto jetzt mach doch nicht so einen Aufstand. Ich hab mich nur geschnitten.“, sagte Aruto, doch Ikuto ignorierte ihn einfach und griff erneut nach der blutenden Hand, um sich die Wunden genauer anzusehen.

„Halt endlich still, Vater. Das sind keine kleinen Kratzer. Der eine Schnitt ist sogar ziemlich tief. Wieso passt du nicht besser auf deine Hände auf?“, meinte Ikuto frustriert und drückte das Handtuch wieder auf die Wunden, ehe er kurz in seinem Schlafzimmer verschwand, und kurz darauf vollständig angezogen wieder rauskam.

„Wir gehen jetzt sofort zum Hotelarzt.“, sagte er bestimmt und blickte dann zu Amu.

„Und Amu, du gehst besser nicht ins Bad. Ich werde draußen ein Zimmermädchen bitten eine Kehrschaufel und einen Besen zu bringen. Am besten ziehst du dich derweilen schon mal um. Kannst dich auch an meinen Klamotten bedienen. Draußen dürfte es ziemlich kalt sein.“, erklärte Ikuto, woraufhin Amu nur nickte und dabei zu sah, wie Ikuto seinen Vater mit mehr oder weniger sanfter Gewalt aus dem Zimmer brachte.

Dann drehte sie sich um und ging zurück in Ikutos Schlafzimmer.

° Was für ein turbulenter Morgen? Aber die beiden sind echt klasse. Es wird mit den beiden wirklich nicht langweilig. Und ich mag Aruto. Schade dass ich heute schon zurückfliegen muss. Hoffentlich dauert es nicht zulange bis ich Ikuto wiedersehen werde. °, dachte Amu, ehe sie wieder in ihre Kleidung vom Vortag schlüpfte, Ikutos Sachen waren ihr einfach zu groß, und ihre Haare bürstete, als es auch schon an der Hotelzimmertür klopfte.

Schnell lief sie hin und öffnete die Tür.

Davor stand ein Zimmermädchen, welches sie freundlich anlächelte.

Nach einer kurzen Begrüßung gingen sie zusammen ins Badezimmer und beseitigten das kleine Chaos von Aruto, ehe dieser eine viertel Stunde später auch schon mit Ikuto wieder vom Arzt zurückkam.

„Und wie schlimm ist es?“, fragte Amu sogleich besorgt, als sie den Verband an Arutos Hand entdeckte.

Ikuto warf nur einen wütenden Blick auf seinen Vater, ehe er sich mit einem Seufzen in den nächsten Sessel fallen ließ.

Aruto hingegen schenkte Amu ein leicht trauriges Lächeln.

„Es nicht weiter schlimm. Die Wunden verheilen schnell wieder. Das eigentliche Problem ist, dass ich mit diesem Verband drei bis vier Wochen nicht Violine spielen kann. Da werde ich meine Auftritte hier in Paris wohl absagen müssen.“, erklärte er und seufzte auch leise auf, ehe er sich wie sein Sohn zuvor in den anderen freien Sessel setzte.

Amu folgte ihm und setzte sich den beiden gegenüber auf das Sofa.

° Das ist nicht gut. Und Ikuto scheint es auch nicht zu gefallen. Aber…°, dachte sie und hatte plötzlich eine Idee.

„Könnte nicht Ikuto für dich auftreten?“, fragte sie sogleich und erntete einen leicht bitteren Blick von Ikuto, während Aruto ihr zunickte.

„Nun das habe ich meinen Sohn auch schon gefragt. Allerdings…“, fing Aruto an, wurde dann aber von Ikuto unterbrochen, der Amu genau mit seinen Augen fixierte.

„Das würde aber bedeuten, dass ich noch eine ganze Weile hier bleiben werde. Würdest du das wollen, Amu?“, fragte Ikuto leise.

Diese sah ihn einen Moment nachdenklich an, schenkte ihm dann aber ein Lächeln.

„Nun es ist nicht so als ob mich das jetzt freuen würde. Aber…ich hab jetzt schon solange auf dich gewartet, da werde ich auch noch mal ein paar Wochen warten können, denke ich. Und schließlich sind diese Auftritte wichtig.“, meinte Amu und ließ ihren Blick zwischen Vater und Sohn hin und her wandern.

Leise seufzte Ikuto auf.

„Na gut, wenn du das sagst. Dann mach ich es.“, sagte er schließlich, woraufhin sein Vater erfreut aufsprang und rief: „Danke Ikuto. Danke Amu. Dann werde ich gleich mal überall anrufen gehen um Bescheid zu sagen, dass mein Sohn für mich einspringt.“

Und schon war Aruto in seinem Zimmer verschwunden.

Ikuto fuhr sich mit einem leisen Seufzen mit der rechten Hand durchs Haar, ließ seinen Kopf leicht nach hinten fallen und schloss die Augen.

Da stand Amu leise auf und ging zu ihm rüber.

Vorsichtig beugte sie sich über Ikuto, stützte sich mit ihren Händen links und rechts auf den Lehnen des Sessels ab, und neigte ihr Gesicht zu ihm hinunter.

Dabei fielen ihre langen, rosafarbenen Haare über ihre Schultern nach vorne und streiften leicht Ikutos Gesicht.

Langsam öffnete er daraufhin seine Augen und sah direkt in Amus bernsteinfarbene Augen.

„Amu?“, hauchte er leise, als Amu auch schon ihre Lippen auf seine legte und ihm einen kurzen, süßen Kuss gab.

Kurz darauf löste sie sich wieder von ihm und wollte sich wieder gerade hinstellen, als Ikuto auch schon seine Arme um ihre Taille schlang und sie auf seinen Schoß zog.

Überrascht sah sie ihn an und fragte leise: „Ikuto?“

Da ließ er sie auch mit einem weiteren, längeren Kuss verstummen ließ.

Dabei bemerkten beide nicht, dass eine gewisse Person im Türrahmen seines Zimmers stand und die beiden mit einem Lächeln betrachtete.

 

♥ Am Flughafen ♥

 

„So hast du alles, Amu?“, fragte Aruto, als alle drei in der Wartehalle des Pariser Flughafens standen.

Kurz schob Amu den Riemen ihrer Umhängetasche ein Stück höher auf ihre Schulter, dann nickte sie.

„Ja, ich müsste alles haben. Und vielen Dank für alles, Aruto.“, antwortete Amu.

Da hob Ikutos Vater nur abwehrend die Hände.

„Ach was, nichts zu danken. Es war schön dich kennen zu lernen, Amu. Ich wünsch dir einen guten Flug. Grüß Utau von mir. Und bis bald.“, meinte Aruto.

„Ja, danke. Das werde ich. Und hat mich auch gefreut dich kennen zu lernen.“, erwiderte die Rosahaarige, als Ikuto auch schon sagte: „Vater, musst du nicht los. Du hast doch gesagt, du hättest noch einen Termin.“

Da warf sein Vater einen Blick auf seine Armbanduhr und riss erschrocken die Augen auf.

„Oh Gott, du hat recht. Ich komm noch zu spät. Also tschüss, Amu. Ikuto wir sehen uns später.“, rief Aruto, während er auch schon schnell Richtung Ausgang schritt.

Amu kicherte leise bei dem Abgang, während Ikuto nur leise seufzte und den Kopf schüttelte.

° Typisch Vater. °, war alles was er dachte, ehe er sich an Amu wandte.

„Und wann geht dein Flieger?“, fragte er, woraufhin Amu einen kurzen Blick auf die Uhr warf und antwortete: „In 20 Minuten.“

Dann verengte sie ihre Augen zu Schlitzen und fragte: „Warum möchtest du das eigentlich so genau wissen? Bist wohl froh, wenn du mich endlich los bist?!“

Da zog Ikuto sie auch schon in seine Arme und flüsterte in ihr Ohr: „Wo denkst du hin? Ich wollte nur wissen, wie lange ich dich noch bei mir haben kann. Am liebsten würde ich dich gar nicht gehen lassen. Aber das würde dein Vater mir nie verzeihen.“

Daraufhin fing Amu leise an zu kichern, ehe sie sich ein Stück von ihm wegdrückte und ihn mit ernstem Gesicht musterte.

„Dann ist ja gut. Aber Ikuto eins musst du mir versprechen.“, meinte sie, woraufhin Ikuto sofort erwiderte: „Alles was du wünschst.“

Da packte Amu die beiden Enden des Schals, den sie ihm gestern geschenkt hatte und den er nun trug, und zog Ikuto daran näher zu sich herunter.

Ihre Gesichter waren nur wenige Zentimeter voneinander entfernt und Amu sah ihm direkt in die mitternachtsblauen Augen.

„Ich möchte, dass du mir versprichst, dass du nach den Auftritten wieder nach Japan kommst.“, sagte sie leise.

Daraufhin grinste Ikuto sie an und meinte: „Aber natürlich. Das hatte ich doch sowieso vor.“

Doch Amu zog noch ein wenig fester an seinem Schal und sah ihn mit einem immer noch ernsten, jetzt aber auch leicht traurigen Blick an.

„Ich mein es ernst, Ikuto. Als du damals gegangen bist und gemeint hast, du würdest wiederkommen, hast du es nicht getan. Und du hast dein Versprechen vom Telefon auch nicht gehalten.“, sprach sie leise und eine kleine Träne schimmerte in ihrem Augenwinkel.

Sofort wischte Ikuto diese weg und strich ihr sanft über die Wange.

„Hey Amu. Keine Sorge diesmal komm ich wirklich zurück. Und was das Versprechen angeht. Also das hat sich doch scheinbar schon erfüllt. Schließlich hast du dich in mich verliebt.“, erwiderte er mit einem kleinen Lächeln.

Sobald sie das sah, stupste Amu ihm leicht gegen die Brust.

„Das glaubst auch nur du. Warte nur bis du wieder in Japan bist.“, fing sie an, zog ihn dann wieder an seinem Schal näher zu sich und sagte: „Und wehe du kommst nicht. Dann kannst du was erleben, wenn ich dich in die Finger bekomme.“

Daraufhin fing Ikuto an zu grinsen.

„Das würde ich ja zu gerne sehen.“, meinte er frech und sie öffnete schon leicht empört ihren Mund, als Ikuto auch schon die wenigen Zentimeter zwischen ihnen überbrückte und sie küsste.

Da stieß Amu ihn kurz zurück und funkelte ihn leicht wütend an, doch schon im nächsten Moment, zog sie ihn wieder zu sich herunter und küsste ihn zurück.

Er lächelte leicht bei ihrer Reaktion und legte die Arme um ihre Taille, um sie noch ein wenig näher an sich zu ziehen.

Doch in dem Moment ertönte plötzlich eine Durchsage aus den Lautsprechern an der Decke.

„Alle Passagiere des Fluges JL 406 von Paris-Charles de Gaulle nach Tokio-Narita begeben sich bitte zum Gate 18.“

Langsam nur löste Ikuto sich widerwillig von Amu und sah sie an.

„Ich glaube, die meinen dich.“, sagte er leise, woraufhin sie nur leicht nickte.

Dann vergrub sie ihr Gesicht in seiner Jacke und murmelte: „Wage es ja nicht, nicht zurück zu kommen. Verstanden, Ikuto?!“

Ikuto, der selbst ihre genuschelte Drohung verstanden hatte, strich ihr nur sachte durch ihr rosafarbenes Haar und antwortete: „Hai Hai, Hime-chan.“

Da schubste sie Ikuto leicht von sich und sah ihn mit gerötetem Gesicht an.

„Was soll d…das denn? Hör bloß a…auf mich so zu n…nennen!“, stotterte Amu empört, woraufhin Ikuto zu lachen anfing.

„Hai Hai, …Hime-c…“, fing er wieder an, doch Amu warf ihm einen tödlichen Blick zu, der ihn noch mehr zum Lachen brachte.

Gerade wollte er erneut etwas sagen, als wieder eine Durchsage ertönte.

„Alle Passagiere des Fluges JL 406 von Paris-Charles de Gaulle nach Tokio-Narita begeben sich bitte umgehend zum Gate 18.“

„Oh, ich glaube, ich muss jetzt wirklich los.“, meinte Amu, als sie von Ikuto auch schon in die Arme genommen wurde und im nächsten Moment seine Lippen wieder auf ihren spürte.

Als er sich kurz darauf wieder von ihr löste, flüsterte er an ihrem Ohr: „Ich komme. Versprochen.“

Dann ließ er sie los und strich noch einmal durch ihr rosafarbenes Haar, während sie ihn nur verlegen und auch leicht traurig musterte.

„Okay, ich warte.“, meinte sie schließlich ebenfalls leise, drehte sich dann um und ging auf die Passkontrolle zu.

Ikuto sah ihr noch solange hinterher bis er sie in der Menge nicht mehr ausmachen konnte, dann strich er sich mit der rechten Hand noch einmal kurz durchs Haar, ehe er sich umwandte und das Flughafengebäude verließ.

 

 

♦ ♥ Flugzeugabsturz an Heiligabend - „(K)einer überlebt“ - Silvester im Krankenhaus ♣ ♠

 

♦ 24. Dezember - Heiligabend ♦

 

Nach der gemeinsamen Weihnachtsfeier mit ihren Eltern war Amu nun am späten Abend bei Utau zu Hause und wartete auf die Ankunft von Ikuto.

Es war ausgemacht, dass Amu bei Utau übernachten würde, sodass die beiden Mädchen nun gemütlich auf dem Teppich vor dem Fernseher, aus dem Weihnachtslieder erklangen, in Utaus Wohnung saßen.

Auch Utaus Mutter war da, wohnte diese doch nun wieder mit ihrem Mann und ihrer Tochter zusammen.

Gerade war sie in der Küche und kochte Tee, während ihr Mann, der schon vor zwei Tagen allein aus Paris zurückgekehrt war, im Wohnzimmer in einem Sessel saß und mit einem Lächeln den beiden schwatzenden Mädchen lauschte.

Als Utaus Mutter dann mit einem Tablett, auf dem sich vier Becher mit heißem, grünen Tee und ein Teller mit Keksen und Lebkuchen befanden, zu den anderen ins Wohnzimmer kam und dieses auf dem kleinen Wohnzimmertisch abstellen wollte, verstummte plötzlich die Weihnachtsmusik aus dem Fernseher.

Stattdessen ertönte plötzlich die Melodie der eigentlichen 8-Uhr-Nachrichten und auf dem Bildschirm erschien die Nachrichtensprecherin.

Sofort wurden alle vier im Zimmer ganz still und Aruto stellte den Fernseher etwas lauter, auf welchem nun die gesamte Aufmerksamkeit lag.

Mit ernstem Gesicht sprach die Moderatorin: „Wir unterbrechen die laufende Sendung für eine wichtige Mitteilung. Vor zwanzig Minuten stürzte nur wenige Kilometer außerhalb von Tokio ein Flugzeug in ein Waldgebiet. Es handelte sich nach ersten Aussagen um eine Maschine der Japan Airlines mit über 250 Passagieren an Bord. Wir schalten nun live zu einem Reporter direkt vor Ort.“

Geschockt starrten die vier auf den Fernseher, wo nun das Bild wechselte und im nächsten Moment ein Mann vor der Kamera erschien.

Hinter ihm konnte man gerade so einen Wald ausmachen, der immer wieder von hellen Suchscheinwerfern hier und dort beleuchtet wurde.

Außerdem sah man immer wieder Flammenzungen zwischen den hohen Baumwipfeln aufflackern und dichter Rauch schien über dem ganzen Gebiet zu schweben.

Überall im Hintergrund konnte man Rufe und Schreie hören, während immer wieder Menschen in Polizei-, Feuerwehr-, Rettungs- oder auch Sanitätsuniformen hinter dem Reporter vorbeirannten.

Dann sprach dieser schließlich in sein Mikrofon: „Wie sie hier hinter mir sehen können sind viele Einsatz- und Rettungskräfte vor Ort und suchen unerbittlich nach Überlebenden. Das Flugzeug ist bei seinem Absturz in diesen Wald auseinander gebrochen. In einem Umkreis von etwa 1 bis 1,5 Kilometern finden sich immer wieder Wrackteile in denen es nach Überlebenden zu suchen gilt. Doch die Dunkelheit, die Größe der Absturzstelle und auch das dichte Unterholz machen es den Rettungskräften alles andere als leicht, um die Passagiere zu bergen. Leider ist das Schicksal der mehr als 250 Insassen der Maschine noch ungewiss. Auch weshalb das Flugzeug, welches sich auf der Strecke von Paris zum Narita Airport befand abstürzte, ist noch unklar. Aber sobald wir mehr wissen, werden wir es ihnen sofort mitteilen.“

Damit endete die Übertragung und die eigentliche Weihnachtssendung ging wieder weiter, doch keiner der vier Menschen, die im Wohnzimmer saßen hörten die fröhlichen Weihnachtsmelodien.

Es war für einen Moment einfach nur still zwischen ihnen und keiner wagte es sich zu rühren, doch dann ertönte ein lautes Klirren und Scheppern, wodurch drei der vieren erschrocken zu Utaus Mutter herumfuhren.

Deren Hände hatten so stark zu zittern begonnen, dass ihr das Tablett aus den Händen geglitten war und die Teebecher alle auf den Fußboden zerschellten, woraufhin sich eine große, hellgrüne Lache über den Teppich ergoss.

„Tut mir Leid, wie ungeschickt von mir.“, brachte sie mit zittriger Stimme heraus und wollte sich schon bücken, um die Scherben aufzusammeln, als plötzlich Aruto neben ihr stand und sie in seine Arme zog.

Augenblicklich vergrub sie ihr Gesicht in seinem Hemd und fing an zu schluchzen, während Aruto ihr sachte über den Rücken strich.

Derweilen sahen Utau und Amu den beiden nur sprachlos zu, waren nicht fähig auch nur irgendetwas zu sagen oder sich zu rühren, schien das gerade gehörte sie doch noch immer nicht ganz erreicht zu haben.

Doch dann sahen die beiden sich an und erblickten die Tränen, die der jeweils anderen übers Gesicht liefen.

Da erst schienen die Informationen wirklich in ihr Bewusstsein zu dringen und im nächsten Moment klammerten sich die beiden Mädchen an sich und fingen richtig an zu weinen.

Aber das Ganze dauerte nicht lange, denn kurz darauf ließ Aruto seine Frau, die sich langsam wieder ein klein wenig zu beruhigen schien, los und ging neben den beiden Mädchen auf die Knie.

„Hey ganz ruhig. Noch wissen wir nicht, wie es den Passagieren geht. Vielleicht ist Ikuto sogar unverletzt und ihr weint hier ganz umsonst.“, meinte er in einem beruhigenden Tonfall und drückte seine Tochter und auch deren Freundin kurz an sich.

Beide sahen ihn daraufhin mit großen Augen an, in denen nun ein Funken Hoffnung schimmerte.

Da stand Utau auf, nickte entschlossen und wischte sich die Tränen weg.

„Du hast recht. Ikuto geht es bestimmt gut. So muss es einfach sein.“, sagte sie, wobei sie aber ein kleines Zittern in der Stimme doch nicht ganz verdrängen konnte.

Amu sah nur von Utau zu Aruto und blickte dann zum Fenster rüber, hinter dem der dunkle Nachthimmel zu sehen war, während sie sich langsam die Tränen wegwischte.

° Ich hoffe nur, ihr habt recht. Immerhin saß er in der Maschine. Bitte Ikuto, bitte sei gesund. Du hast es versprochen. °, dachte sie ängstlich und ballte ihre Hände zusammen.

 

♠ Einige Tage später ♠

 

Auf dem Tisch in der Küche lagen zwei Zeitungsausschnitte.

Der eine zeigte die Titelseite der Zeitung vom Sonntag mit der großen Überschrift „Schrecklicher Flugzeugabsturz an Heiligabend“.

Darunter folgte ein Artikel in dem unteranderem folgendes stand:

Am Abend des 24. Dezember stürzte um kurz nach halb zehn eine Maschine der Japan Airlines in einem Waldgebiet nur einige Kilometer östlich von Tokio ab. … Keiner der insgesamt 276 Passagiere inklusive der Crew überlebten den Absturz. … Heute Morgen wurde ein Gedenk- und Trauergottesdienst an fünf großen Schreinen hier in Tokio abgehalten. … Wir bitten alle für die Familienangehörigen, Freunde und Bekannte der Todesopfer dar zu sein und ihnen beizustehen in dieser schweren und traurigen Zeit.

Der zweite Zeitungsausschnitt zeigte ein kleines Schwarz-Weiß-Bild von Ikuto und daneben folgende Worte:

In Gedenken an unseren geliebten Sohn, Bruder und Freund, Ikuto Tsukiyomi, der gerade erst vor wenigen Wochen seinen 20. Geburtstag feierte. Du, der du uns so plötzlich und unerwartet am Abend des 24. Dezember durch einen tragischen Flugzeugabsturz genommen wurdest, fehlst nun in unserer Mitte. Doch wir werden stark sein, zusammen halten und weitermachen. Denn wir wissen, dass du bei uns bist und über uns wachst. Wir werden dich sehr vermissen und immer in Erinnerung behalten. Deine Eltern, Schwester, Freundin und Freunde

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So das war es.

Ähm……

Amu: Chellie, wo steckst du?! *schreit*

Ich: *mich hinter Ikutos Grabstein versteck*

Amu: *kommt angestapft* Ich weiß genau, dass du da bist. Entweder du änderst das sofort, oder aber du kannst gleich das Grab nebenan beziehen. *Mordlustiges Funkeln in den Augen hat*

Ich: *schluck* Okay, mach…mach ich. *zitter* *langsam aufsteh* *Angstschweiß weg wisch* *mich euch zu wende* Also dank…ähm…Amus überzeugenden Worten… *ängstlich zu Amu schau*

Amu: *schleift ihre Sense, die sie von Ikuto geerbt hat* *summt den Trauermarsch*

Ich: *schluck* Also wie gesagt, es…ähm…geht noch weiter. Und zwar…vergesst ihr die Zeitungsartikel. Denn das, was jetzt folgt, ist die Alternative zu diesen. Also viel Spaß. *mich wieder hinter Ikutos Grabstein zusammen kauer*

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♥ 31. Dezember - Silvester ♥

 

Langsam lief Aruto durch den weißen, sterilen Gang des Krankenhauses und seufzte leise auf.

° Wie gut, dass ich die beiden endlich dazu bringen konnte, mal nach Hause zu gehen. Es reicht schon, wenn ich mir um die anderen beiden Sorgen machen muss. Aber Amu werde ich hier wohl bestimmt nicht wegbekommen. So hatte ich mir diese Woche aber auch wirklich nicht vorgestellt. Wäre es doch alles nur anders gekommen. °, dachte er und seufzte dieses Mal etwas lauter, ehe er vor einer der weißen Türen mit Milchglasfenstern zum Stehen kam.

Ohne vorher anzuklopfen betrat er leise den Raum, schloss die Tür wieder hinter sich und schritt auf das Bett neben dem großen Doppelfenster zu.

Dort lag er wie schon die ganze Woche seit der Operation und schlief.

Sein blaues Haar verbarg fast vollständig den Verband, der um seinen Kopf gewickelt war, um die große Platzwunde an seiner Schläfe zu verdecken.

Sein linker Arm, der auf der weißen Bedecke lag, war vom Handgelenk bis zum Ellbogen, wo er eine tiefe Schnittwunde hatte, verbunden, was der Ärmel des himmelblauen Krankenhaus-T-Shirts allerdings größtenteils versteckte.

Auch die Verbände um seinen Oberkörper und seine linke Schulter, die seine fünf gebrochenen und drei angebrochen Rippen und sein gebrochenes linkes Schlüsselbein stützten, waren unter dem T-Shirt nicht zu sehen.

Ebenfalls gerade durch die weiße Krankenhausdecke gut verborgen war der dicke Gipsverband, der seinen gesamten rechten Fuß bis zum Knie hoch einhüllte, da sein Bein zweifach gebrochen war.

° Es ist wirklich ein Wunder, dass wir dich hier bei uns haben. Bei all den Verletzungen, die du davon getragen hast. Aber ich bin auch wirklich froh über dieses Wunder. °, dachte Aruto, als er kurz von seinem Sohn zu der Zeitung sah, die auf dem kleinen Tisch in der gegenüberliegenden Ecke lag.

Den Artikel unter der großen Überschrift „Einziger Überlebender des Flugzeugabsturzes“ kannte Aruto fast schon auswendig, hatte er ihn doch mehr als nur einmal gelesen gehabt.

Darin stand unter anderem:

Bei dem tragischen Flugzeugabsturz von Heiligabend gab es 253 Tote. Es konnten aus den Wrackteilen 23 Überlebende geborgen werden, wovon aber 12 noch an der Absturzstelle oder aber auf dem Weg zum Krankenhaus ihren schweren Verletzungen erlagen. Nur 11 schafften es ins naheliegende  Tokioter Krankenhaus. Allerdings verstarben weiter 10 der Überlebenden noch während oder kurz nach der OP. Jetzt gibt es nur noch einen Überlebenden. Den zwanzigjährigen Ikuto Tsukiyomi, der seit Heiligabend im Koma liegt. Alle seine Angehörigen sind bei ihm und hoffen auf sein baldiges Erwachen. … Er ist der Einzige, der diese Katastrophe überlebt hat, was fast schon an ein Wunder grenzt. Ein Wunder, dass sich nun alle wünschen, dass es auch wirklich wahr wird.

Aruto wandte seinen Blick wieder von der Zeitung ab, nahm die dünne Decke, welche über einem der Stühle hing und ging an die linke Seite des Bettes von seinem Sohn, wo er Amu die Decke umhängte.

Sie saß dort auf einem ziemlich unbequemen Stuhl den Kopf auf die Bettdecke gelegt mit dem Gesicht zu Ikuto gewandt und schlief.

Selbst im Schlaf hielten ihre Hände dabei die ganze Zeit Ikutos rechte Hand fest.

Mit einem kleinen traurigen Lächeln sah Aruto auf das schlafende Mädchen herab.

° Du machst mir fast noch mehr Sorgen als mein Sohn. Ich glaube er wird mich umbringen, wenn er dich vor wenigen zu Gesicht bekommen hätte. Wenn ich nur an die letzten Tage denke. °, dachte er und musterte das sichtlich erschöpfte Mädchen.

 

♣ Flashback ♣

 

Amu saß seit sie am Morgen des 25. Dezembers endlich zu Ikuto ins Zimmer durfte die ganze Zeit auf dem harten, ungemütlichen Plastikstuhl, hielt seine Hand fest und schaute ihn an.

Sie aß kaum etwas, schlief so gut wie gar nicht und bewegte sich auch nur von seiner Seite weg, wenn der Arzt vorbeikam, um Ikuto zu untersuchen oder die Verbände zu wechseln.

Ansonsten war sie nie von seiner Seite gewichen, doch genau das machte Aruto Sorgen.

Amus Eltern hatten schon des Öfteren mit ihm gesprochen, dass sie Amu verstehen konnten, dass sie bei ihm im Krankenhaus bleiben wollte, er aber bitte gut auf sie aufpassen sollte.

Leider war genau das das Problem.

Amu schien von Tag zu Tag erschöpfter und kränklicher zu wirken und die dunklen Augenringe, die geröteten Augen und das blasse Gesicht sprachen für sich.

Auch redete sie mit niemandem und war total in sich gekehrt, schien sich vollkommen vor den anderen zu verschließen.

Selbst geweint hatte sie nach der Operation kein einziges Mal, hatte nie ihre Gefühle wirklich nach außen dringen lassen.

Utau und ihre Mutter hatten mit gutem Zureden versucht Amu zu überzeugen sich im Bad mal ein wenig frisch zu machen, ein paar andere Sachen anzuziehen und wieder etwas ordentliches zu Essen, doch Amu blieb stur neben seinem Bett sitzen und rührte sich keinen Millimeter.

Schließlich blieb Aruto keine Wahl, er konnte es sich nicht länger mit ansehen.

So hatte er Amu am Dienstag schließlich gepackt, von dem Stuhl hochgezerrt und zusammen mit Utau im Badezimmer eingeschlossen.

Hysterisch hatte Amu angefangen zu Schreien und ihr waren nur so die Tränen über die Wangen gelaufen, während sie sich zu befreien versucht hatte.

Immer wieder hat sie geschrien: „Nein, lasst mich bei ihm bleiben! Ich will ihn nicht alleine lassen! Es ist meine Schuld, dass er da jetzt liegt! Ich habe ihm gesagt, dass er zurückkommen soll! Wegen mir ist er in dieses Flugzeug gestiegen! Nur wegen mir ist er verletzt! Ich bin schuld!“

Als nun plötzlich alle Gedanken und Gefühle aus Amu herausbrachen, packte Utau sie plötzlich und gab Amu eine schallende Ohrfeige, woraufhin diese verstummte, ihre schmerzende Wange hielt und ihre Freundin entsetzt ansah, welcher nun ebenfalls Tränen über das Gesicht liefen.

Mit energischer, aber auch leicht zitternder Stimme rief Utau: „Jetzt hör aber endlich auf! Hör auf dir die Schuld dafür zu geben. Wenn du dir die Schuld gibst, kannst du sie auch gleich noch meinem Vater und mir geben. Mein Vater hatte sich verletzt, weswegen Ikuto für ihn eingesprungen ist, ansonsten würde er jetzt vielleicht da liegen. Und ich habe dich nach Paris geschickt um Ikuto zurückzuholen, weil ich es genauso sehr wollte wie du, dass er zurück kommt. Verstehst du?! Entweder hat niemand Schuld oder aber wir alle. Keiner konnte ahnen, dass das Flugzeug abstürzen würde. Also reiß dich endlich zusammen! Was meinst du würde mein Bruder dazu sagen, wenn er dich jetzt hören und sehen könnte?! Ihm würde das gar nicht gefallen und das weißt du auch.“

Immer noch sah Amu ihre Freundin nach diesem Ausbruch an, doch nun war es nicht mehr Entsetzen sondern Erkenntnis, die sich in ihren Augen widerspiegelte und es dauerte nur einen Moment, ehe Amu sich an Utaus Brust warf, sich in deren Kleid festkrallte und heftig zu weinen begann.

Dabei schluchzte leise auf und murmelte immer wieder: „Es tut mir Leid, Utau. … Es tut mir Leid. …Du hast recht. … Aber ich hab Angst. … Ich hab solche Angst. … Ich will ihn nicht verlieren.“

Auch Utau weinte noch immer und schloss ihre Arme um Amu.

„Ich weiß, Amu. Ich doch auch. Ich hab auch Angst. Ich denke doch genauso.“, sprach sie nur leise und drückte Amu noch enger an sich.

 

♣ Flashback Ende ♣

 

° Ja das Gespräch zwischen Utau und Amu habe ich durch die Badezimmertür hören können. Und ich bin froh, das Utau Amu endlich ein bisschen wachrütteln konnte. Denn jetzt isst sie zumindest wieder ein bisschen mehr und ist nicht mehr ganz so stumm wie vorher. Auch sieht sie wieder etwas besser aus. Trotzdem wird sie das nicht ewig durchhalten hier neben ihm zu sitzen und zu warten. Du musst endlich aufwachen, Ikuto. °, dachte Aruto und blickte von Amu wieder zu seinem Sohn, dessen Augen noch immer geschlossen waren.

Mit einem weiteren leisen Seufzen strich Aruto sich seine Haare aus dem Gesicht und ging hinüber zum Fenster und warf einen Blick auf den Nachthimmel.

° In zwei Stunden ist dieses Jahr zu Ende. Warum musste es nur so enden? °, fragte er sich selbst und schloss für einen Moment die Augen.

Da hörte er plötzlich ein leises Stöhnen.

Überrascht fuhr Aruto herum und blickte direkt in die blauen Augen seines Sohnes, der ihn leicht verwirrt musterte.

„Vater?“, fragte Ikuto nur und sofort war dieser an seiner Seite, strich seinem Sohn vorsichtig durchs Haar und hatte ein breites Lächeln auf dem Gesicht.

„Oh man Ikuto. Was machst du nur für Sachen? Was bin ich froh, dass du endlich wach bist.“, murmelte Aruto leise und ein kleines feuchtes Schimmern war in seinen blauen Augen zu erkennen.

Immer noch verwirrt sah Ikuto sich in dem Zimmer um, welches wie jedes Krankenhauszimmer überwiegend in Weiß gehalten und nur spärlich eingerichtet war.

Doch als er seine rechte Hand hochheben wollte, um sich eine Strähne seines Haares aus dem Gesicht zu streichen, merkte er, dass diese festgehalten wurde.

Überrascht sah zu seiner Rechten und erkannte sofort das schlafende Gesicht von Amu, deren kleine, schlanke Finger sich ganz fest um seine Hand geschlossen hatten.

Fragend sah Ikuto wieder zu seinem Vater, wobei ihm auch plötzlich bewusst wurde, dass er sich kaum bewegen konnte.

„Was ist passiert? Warum liege ich im Krankenhaus?“, fragte Ikuto leise, um Amu ja nicht aufzuwecken, sah sie doch so furchtbar müde aus.

Aruto setzte sich auf einen zweiten Stuhl, der noch von seiner Frau auf der linken Seite des Bettes gestanden hatte und antwortete: „Dein Flugzeug ist in einem Waldgebiet östlich von Tokio abgestürzt. Du bist der einzige, der überlebt hat und hast nach deiner Operation jetzt seit einer ganzen Woche im Koma gelegen. Heute ist der 31. Dezember. Du hast mehrere Knochenbrüche und so leid es mir tut wirst du wohl noch eine Weile hier bleiben müssen.“

Diese letzten Worte hatte er in einem scherzhaften Ton gesagt, doch Ikuto bemerkte die Erleichterung, die sich auf dem Gesicht seines Vaters zeigte, und erkannte auch die deutlichen Spuren der Erschöpfung.

Vorsichtig versuchte er sich ein wenig mehr aufzurichten, ließ es aber bei dem ersten Stechen in seiner Brust gleich wieder sein.

Dann fragte er wieder leise: „Wo sind Mutter und Utau?“

„Die habe ich vor einer halben Stunde nach Hause geschickt. Es ist schon ziemlich spät. Sie waren erschöpft und noch mehr als eine Person kann wohl schlecht hier auf einem Stuhl übernachten.“, meinte Aruto und deutete mit einem Nicken kurz auf die schlafende Amu.

Auch Ikuto sah nun kurz auf diese, ehe er wieder zu seinem Vater schaute.

„Warum ist sie nicht auch zu Hause? Wieso lässt du sie hier sitzen?“, wollte er wissen, woraufhin Aruto leise seufzte.

„Sag bloß nichts. Du hast da echt ein anstrengendes Mädchen gefunden. Ich hatte die Woche über meine liebe Not dafür zu sorgen, dass sie hier nicht vom Stuhl kippt. Sie hat sich strikt geweigert von deiner Seite zu weichen, hat sich große Sorgen gemacht und sich selbst die Schuld an dem ganzen hier gegeben. Nur gut, dass Utau schließlich ein wenig zu ihr durchdringen konnte, sonst hätte sie wohl mittlerweile ein Bett neben dir belegen können.“, erklärte er ernst.

„Ich verstehe. Ja, so kenne ich sie.“, murmelte Ikuto leise und sah wieder auf Amus schlafendes Gesicht.

Aruto bemerkte den Ausdruck in Ikutos Augen, als dieser Amu ansah und erhob sich.

„Ich werde mal zu Hause anrufen und Bescheid sagen, dass du wieder wach bist und dass es dir gut geht. Wir haben uns nämlich alle wirklich sorgen um dich gemacht. Und pass gut auf die Kleine auf.“, sagte er, während er zur Zimmertür ging und diese öffnete.

„Also bis später.“, und damit verließ Aruto auch schon das Krankenzimmer und schloss die Tür hinter sich wieder.

Einen Moment sah Ikuto seinem Vater noch hinterher, dann blickte er wieder zu Amu, welche immer noch schlief.

° Ach Amu. Was hast du dir bloß für Sorgen gemacht? Das du meinen Vater so auf Trab halten konntest. Der sieht bald noch schlimmer aus als du. Ihr müsst beide wirklich die ganze Zeit hier gewesen sein. °, dachte er, hob seinen linken, bandagierten Arm und strich mit seiner Hand vorsichtig über Amus Gesicht.

Da bewegte diese sich plötzlich leicht.

Ich vorher ausdrucksloses Gesicht verzog sich, sah panisch und ängstlich aus.

Dann fing sie leise an zu murmeln: „Nein, Ikuto. … Bleib hier. …Bitte nicht gehen. … Ikuto…Ikuto.“

Und mit einem Ruck öffneten sich ihre bernsteinfarbenen Augen, sie fuhr hoch und blickten direkt in seine mitternachtsblauen.

Für einen Moment sah sie ihn nur an, dann drehte sie ihr Gesicht zur Seite und schüttelte leicht den Kopf.

„Nein, dass bilde ich mir nur wieder ein. Er ist nicht wach. Bestimmt nicht. Das wünsche ich mir nur.“, flüsterte sie leise.

Mit leicht schiefgelegtem Kopf blickte Ikuto sie an.

Ihr Körper zitterte leicht und eine Hand hatte sie nun in das Bettlacken gekrallt, während die andere immer noch seine rechte Hand festhielt.

Stumme Tränen rannen ihr Gesicht hinunter, dass konnte Ikuto im hellen Schein der Nachttischlampe erkennen, die neben seinem Kopfende auf dem Nachttisch stand.

Sachte strich er wieder mit seiner freien Hand diesmal über ihre verkrampften Finger und sprach leise ihren Namen aus: „Amu.“

Wieder schüttelte sie den Kopf, bemerkte die sanfte Berührung seiner Finger gar nicht und murmelte: „Jetzt höre ich auch noch seine Stimme. Aber das kann nicht sein. Gott wie verzweifelt bin ich eigentlich schon?! Er soll doch nur endlich aufwachen.“

Da lehnte Ikuto sich trotz der Schmerzen in seinem Brustkorb weiter nach vorne, packte vorsichtig Amus Kinn, zog ihr Gesicht zu sich herüber und drückte seine Lippen sanft auf ihre.

Erschrocken blickten ihre Augen in seine und plötzlich flackerte Erkennen in ihnen auf.

Langsam nur löste Ikuto sich wieder von ihr und sank zurück in die Kissen.

Vorsichtig fasste Amu sich mit ihrer rechten Hand an ihre Lippen, blickte Ikuto weiter an und flüsterte schließlich leise: „Ikuto? Du bist wirklich wach?“

Da verdrehte dieser leicht die Augen und sah sie mit seinem vertrauten Grinsen an.

„Na hast du es endlich gemerkt?! Hat aber lange gedauert.“, meinte er frech.

Doch statt sauer zu werden, wie Ikuto sich das eigentlich gedacht hatte, sah Amu ihn nur einen weiteren Moment an.

Dann schien es bei ihr endlich „Klick“ gemacht zu haben und im nächsten Moment hatte sie sich auf ihn geworfen und trommelte mi ihren Fäusten auf seine Brust ein.

Dabei rief sie: „Ikuto, du Idiot. Du Idiot. Du Idiot. Wieso musst du mir solche Sorgen machen? Du bist ja so ein Idiot.“

„Hey Amu. Hör auf. Ah. Das tut weh. Pass doch auf. Ich bin verletzt. Amu.“, keuchte Ikuto schmerzverzehrt, da Amu ihm unaufhörlich auf seine lädierten Rippen schlug und versuchte ihre Hände zu fassen zu bekommen.

Es dauerte nur einen Moment bis seine Worte ihr Gehirn erreichten, dann erstarrte sie in ihrer Bewegung und sah ihn geschockt an.

So schnell sie konnte, kletterte sie wieder von ihm runter und blieb neben dem Bett stehen.

Besorgt musterte sie ihn an.

„Ikuto, tut mir furchtbar leid. Tut es sehr weh. Ich hab…für einen Moment komplett vergessen. Ich…es tut mir leid.“, stammelte sie und blickte ihn voller Schuldgefühle an.

Ein wenig erleichtert seufzte Ikuto auf und strich sich kurz über seine Brust.

Dann sah er zu Amu, streckte seinen unverletzten Arm nach ihr aus und sagte mit einem breiten Grinsen im Gesicht: „Jetzt übertreib mal nicht. Wenn ich nicht verletzt wäre, hättest du ruhig auf mir sitzen bleiben können. Nur das Idiot müsste nicht sein.“

Da riss Amu leicht empört den Mund auf und rief: „Man du bist und bleibst ein perverser Straßenkater.“

„Stets zu Diensten.“, meinte Ikuto nur und zog sie an ihrem Arm wieder zu sich herunter.

„Aber dafür bin ich dein perverser Straßenkater.“, murmelte er dann leise und drückte erneut seine Lippen auf Amus, welche ihn überrascht ansah, ehe sie die Augen schloss und sich mit einer Hand ab Bett abstützend, die andere in seinem dunkelblauen Haar vergrub.

Leicht nach Luft schnappend löste sie sich dann wieder von ihm und blickte in seine verführerischen, mitternachtsblauen Augen.

„Ich bin ja so froh, dass du wieder bei mir bist.“, murmelte sie leise, woraufhin Ikuto gleich erwiderte: „Aber ich hab es dir doch versprochen, Amu.“

Damit küsste er sie, ehe sie etwas sagen konnte, wieder und strich sanft durch ihr langes rosafarbenes Haar.

„Wie ich sehe geht es dir schon wieder richtig gut, was Ikuto?“, ertönte dann plötzlich eine nur zu bekannte Stimme.

Erschrocken fuhr Amu zurück und drehte sich zur Tür um.

Dort stand ein grinsender Aruto, der nun die Tür schloss und auf das Bett zu schritt.

„Sau mieses Timing, Vater.“, war alles was Ikuto daraufhin sagte und warf seinem Vater einen tödlichen Blick zu, den dieser jedoch nur mit einem noch breiteren Grinsen beantwortete.

Amu hingen lief puterrot an und blieb mit dem Rücken zu den beiden Männern stehen.

„Hey Amu. Das braucht dir nicht peinlich sein. Ich hab euch auch schon im Hotel küssen sehen.“, meinte Aruto locker, woraufhin Amu herumfuhr und ihn entsetzt ansah.

Ihr Gesicht glich nun einer Tomate und sie schrie verlegen nur einzelne Worte: „Was?! Wie?! Nein. Ahh! Warum?! Aruto!“

Doch dieser lachte nur und auch Ikuto konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, was Amu natürlich nicht entging.

„Arg, ihr seid ja so gemein. Wie der Vater so der Sohn. Ah!“, schimpfte Amu wütend und boxte Ikuto mit Absicht einmal leicht vor die Brust.

„Autsch. Amu!“, rief dieser daraufhin und warf ihr einen bösen Blick zu, doch diese streckte ihm nur die Zunge raus.

Aruto bekam sich nun gar nicht mehr ein vor lauter Lachen und Amu und Ikuto stimmten schließlich mit ein.

Plötzlich öffnete sich die Tür und eine besorgte Schwester sah ins Zimmer, hatte sie doch laute Stimmen gehört.

Als aber die drei Anwesenden lachen sah, ging sie nur mit einem Lächeln unbemerkt wieder hinaus.

 

♥ Dreieinhalb Wochen später ♥

 

Es hatte weitere drei Wochen gedauert, ehe Ikuto bewaffnet mit Krücken das Krankenhaus verlassen durfte.

Wobei man eher sagen sollte, dass er alle solange genervt und den Schwestern schöne Augen gemacht hatte, so dass diese kaum noch zu gebrauchen waren, bis man ihn mehr oder weniger rausschmiss.

Für diese Aktionen bekam er von Amu nicht nur eine Kopfnuss, doch trotzdem war sie froh ihn schließlich wieder in Utaus Wohnung antreffen zu können, statt in diesem ungemütlichen Krankenhauszimmer.

Gemeinsam saßen sie an einem Nachmittag auf dem Sofa und sahen sich gerade irgendeine Gerichtshow an, als Ikuto bemerkte, dass Amu an ihn gekuschelt eingeschlafen war.

Mit einem Lächeln griff er nach Amus linker Hand und streifte ihr einen Ring über den Ringfinger, welchen er zuvor aus seiner Hosentasche befördert hatte.

Der Ring war silbern und der kleine kleeblattförmige Kristall darauf funkelte in den verschiedensten Farben.

„Frohe Weihnachten, Amu. Wenn auch etwas verspätet.“, murmelte Ikuto leise und küsste einmal kurz ihre Hand mit dem Ring, ehe er seinen Arm um sie legte und ebenfalls die Augen schloss.

Vorsichtig öffnete dann Amu ihre Augen und blickte mit einem Lächeln und leuchtenden Augen auf den Ring.

„Danke schön, Ikuto.“, hauchte sie leise, ehe sie wieder ihre Augen schloss.

° Das habe ich gehört. Und ich wusste, dass du nicht schläfst. °, dachte Ikuto mit einem kleinen Grinsen, schlief dann aber zusammen mit Amu ein.

 

ENDE

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