Chellies Foto- und Geschreibsel-Ecke


Scherbenmeer (Songfiction)

 

Lied: Christina Stürmer - Scherbenmeer

 

Am Abend war Inuyasha mal wieder verschwunden, hatte sich einfach vom Lager entfernt.

Als Kagome sich auf die Suche nach ihm gemacht hatte, kam sie zu ihrem Lieblingsbaum, an dem Inuyasha und sie sich das erste Mal getroffen hatten.

Doch was sie dort sah, brachte ihre Welt ins Wanken und ihre Gefühle durcheinander.

Vor ihr standen Kikyou und Inuyasha und sie lagen sich in den Armen und küssten sich.

° Inuyasha, nein. Schon wieder, immer und immer wieder gehst du zu Kikyou. Nein. °

Kagomes Innerstes krampfte sich schmerzhaft zusammen, als sie die beiden dort so stehen sah.

Ihre Augen begannen zu Brennen, doch sie bekämpfte ihre aufsteigenden Tränen und wandte sich ab.

° Ich muss hier weg. Sie dürfen mich nicht so sehen. Das will ich nicht. Bloß weg hier. °

So leise wie möglich, damit sie niemand bemerkte, drehte sie sich um und entfernte sich von den beiden.

Sobald sie glaubte nicht mehr gehört zu werden, rannte sie los und auch ihre Tränen waren nun nicht mehr zu stoppen.

Immer schlechter wurde ihre Sicht, doch sie rannte weiter, stolperte und rannte weiter, immer weiter bis zum Brunnen, der sie wieder nach Hause bringen würde.

Nach Luft schnappend blieb sie nur noch ein letztes Mal kurz stehen, sah zurück und erkannte alles doch nur noch verschwommen, liefen doch immer mehr Tränen ihre Wangen hinunter.

Trotzdem wollte sie noch einen letzten Blick auf die Umgebung werfen, sich alles einprägen.

Denn sie wusste, dass sie nie wieder hier her kommen würde.

Das war ihr Abschied, für immer.

Hastig wischte sie ihre Tränen weg, verdrängte alle weiteren und sah sich noch einmal diesen wundervollen Ort an.

Dann schwang sie sich mit einem Satz über den Brunnenrand, wurde in das so vertraute, warme Licht gehüllt, wusste das es das letzte Mal war, und landete kurz darauf in ihrer Zeit.

So schnell sie konnte, kletterte sie aus dem Brunnen, versiegelte ihn, sodass ihr niemand mehr hinterher kommen konnte, und rannte zum Haus, welches schon vollständig in Dunkelheit lag, da ihre Familie zu dieser späten Stunde wohl schon schlief.

Mit leisen Schritten stieg sie die Treppe hinauf und verschwand in ihrem Zimmer, wo sie sich sogleich aufs Bett warf, ihren Tränen nun vollständig nachgab und ihre Schluchzer in ihrem Kissen zu ersticken versuchte.

° Inuyasha, warum? Warum nur? °

Als sie sich dann in ihrem Bett herumdrehte, schlug sie ausversehen etwas von ihrem Nachttisch, was mit einem dumpfen Schlag auf den Teppich vor ihrem Bett fiel.

° Huch was war das denn? Habe ich was runter geschmissen? °

Überrascht richtete Kagome sich auf, wischte sich ihre Tränen aus dem Gesicht, um besser sehen zu können und erkannte dort auf dem Fußboden einen Bilderrahmen.


Ich hab versucht,
uns're guten Zeiten für immer abzulichten,
einzukleben und festzuhalten,
sie an mein Bett zu stellen und den Rahmen einzufassen,
doch das Glück hat uns verlassen,
weil du kannst es nicht lassen.

 

Vorsichtig hob sie ihn hoch und starrte das Bild an, wobei ihr erneut die Tränen über die Wangen liefen.

Auf dem Bild stand sie zusammen mit Inuyasha in der Küche und sie sahen so fröhlich aus.

Es war noch gar nicht so lange her, als Sota dieses Bild gemacht hatte.

° Warum nur musstest du das tun?! Warum nur?! Warum gehst du immer wieder zu ihr?! Ich dachte du würdest sie nicht mehr lieben. Ich dachte, du würdest meine Gefühle allmählich verstehen. Würdest genauso fühlen wie ich. Also warum?! Warum nur?! Warum tust du das?! Warum gehst du immer wieder zu ihr?! Warum tust du mir jedes mal wieder weh?! Wo du doch genau weist wie sehr es mir Schmerzen bereitet?! °

 

Du bist das Salz,
in meiner Wunde,
Du bist die Tausendste jeder Sekunde.

 

Falls es dich interessiert: der Versuch dich zu hassen,
hat bestens funktioniert.

 

Immer größer wurden ihre Wut, ihre Trauer und ihre Verzweiflung, sodass ihre Hand, welche noch immer den Bilderrahmen hielt, heftig zu zittern begann, während Tropfen für Tropfen ihre Tränen von ihrem Kinn auf das Deckglas fielen.

° Jedes mal wenn ich die beiden sehe, tut es mehr weh. Jedes Mal kommt er zurück und entschuldigt sich und dann geht er wieder zu ihr. Warum?! Warum tut er mir das an?! Ich verstehe es nicht. Dabei hatten wir doch so eine schöne Zeit. Es war doch alles gut. Also warum wieder sie?! Immer wieder sie?! °

 

Ich hab versucht das Glück nicht zu verlier'n,
für immer hinter Glas,
einzuschließen und einzufrier'n,
luftdicht zu versiegeln,
doch du brachst trotzdem aus.
Ich hab fest mit dir gerechnet,
doch die Gleichung geht nicht auf.

 

Immer mehr Tränen fielen, verschleierten ihre Sicht, doch trotzdem konnte sie das fröhliche Gesicht von ihm vor sich sehen.

° Inuyasha, warum nur?! Bin ich so viel schlechter als sie?! Bin ich wirklich nur die billige Kopie, die gut Juwelensplitter finden kann?! Bin ich nur dazu gut?! Bedeute ich dir denn gar nichts?! Liebst du doch nur sie?! Bin ich nur der Juwelendetektor?! Die Kopie, die niemals besser als das Original sein wird?! Bin ich nicht wichtig?! Denkst du das wirklich?! Wieso?! °

Damit sprang Kagome wütend auf und warf mit voller Wucht den Bilderrahmen gegen die gegenüberliegende Wand.

Mit einem lauten Klirren zerbrach das Deckglas an der Wand und die Scherben fielen mitsamt dem Foto zu Boden.

 

Ich werf Dein Bild an die Wand,
ich will, dass es zerbricht,
Es gleitet aus meiner Hand,
Jetzt seh' ich nur Dich und mich,
in meinem Scherbenmeer.

 

Einen Moment, nur einen kurzen Moment stand Kagome dar, starrte auf das Foto, welches unter den Scherben lag.

Dann warf sie sich vollkommen verzweifelt zurück aufs Bett und vergrub ihr Gesicht wieder in ihrem Kissen.

° Inuyasha, ich habe dich geliebt. Ich habe verstanden, dass Kikyou immer einen Teil in deinem Herzen haben wird. Ich habe es immer akzeptiert, aber es tat immer, immer wieder so schrecklich weh. Ich konnte dich nie hassen, habe nie Wut oder Hass dir gegenüber gefühlt, obwohl es doch so richtig gewesen wäre. Ich konnte es einfach nicht, dich nicht hassen. Und trotzdem belügst du mich. Warum? Warum nur sagst du, dass du sie nicht mehr liebst und gehst trotzdem immer wieder zu ihr?! Ich versteh dich nicht mehr. Ich kann es nicht mehr akzeptieren. Der Schmerz ist einfach zu groß, als da ich ihn noch länger ertragen kann und will. Es geht einfach  nicht mehr. Das muss jetzt endlich ein Ende haben. °

Eine ganze Weile lag sie nur so dar, zitternd und unter ihren Schluchzern erbebend und dachte über alles nach.

Und erst als ihr ganzes Kissen durchnässt war, beruhigte sie sich langsam wieder, hatte einen Entschluss gefasst und setzte sich auf.

Ihre Augen waren gerötet und die Tränen hatten ihre Spuren auf ihrem Gesicht hinterlassen.

Doch das war ihr egal und als Kagome nun aufstand, waren keine Emotionen in ihren früher warmen, schokoladenbraunen Augen mehr zu sehen.

Jetzt waren sie nur noch kalt, wie Eis, während sie zu dem Scherbenhaufen blickte unter dem sich das Foto befand.

Und dann ganz langsam trat sie auf diese zu.

 

Und ich lauf barfuß durch den Raum,
durch die Scherben uns'res Traums.
Ich will fühlen wie das Glas die Haut berührt.
Und ich lauf barfuß durch den Raum,
ganz egal, ich spür' es kaum,
weil dein Bild mich niemals mehr verletzen wird.

 

Sie sehnte sich nach dem Schmerz, der ihren anderen Schmerz in ihrem Inneren überdecken sollte.

Doch als sie mit bloßen Füßen schließlich auf den Scherben stand, verspürte sie, so sehr sie es auch wollte, keinen Schmerz, während ihr Blut sachte über die Scherben rann und das Bild rötlich verfärbte.

Kagome spürte den Schmerz in ihren Füßen nicht, aber den anderen in ihrem Innersten dafür umso mehr.

Er zog ihr Innerstes immer weiter zusammen.

° Nein es muss Schluss sein, ich will diesen Schmerz nicht mehr. Es reicht. °

Und schließlich ganz langsam flaute auch dieser Schmerz ab, wurde immer weniger desto länger sie auf den Scherben stand, und den Schmerz, den sie nicht mehr spüren wollte, verschwand mitsamt ihren Gefühlen.

Denn sie verschloss ihn, verschloss ihn mitsamt dem Bild und ihren Gefühlen an ihn in den tiefsten Winkel ihres Herzens.

 

Sag was es dir bringt,
wenn meine Welt versinkt.
Ich will seh'n wie sie zerspringt,
in meinem Scherbenmeer.

Falls es dich interessiert: der Versuch dich zu hassen,
hat plötzlich funktioniert.

 

Und als sie so dastand, auf das Bild hinabsah und den Schmerz nun endlich nicht mehr spürte, da wusste sie, dass es vorbei war.

Nie wieder würde sie diesen Schmerz ertragen müssen, denn es war endlich vorbei.

Ihre Gefühle und damit auch ihre Liebe zu ihm waren weg.

Und alles, alles was Kagome geblieben war, war ein letzter Rest, nur ein Funke, der sie am Leben erhielt.

Dieser Funke war Hass, einfach nur reiner Hass.

Sie hasste ihn, hasste ihn einfach nur noch, und doch ging es ihr nun besser, denn der Schmerz war fort.

Endgültig fort und nur der Hass, welcher ihr nicht wehtun konnte, blieb zurück.

Ja, alles was ihr geblieben war, war Hass.

„Ich hasse dich, Inuyasha.“

 

ENDE

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